Revanche von Neymar, Zurückhaltung bei Mascherano

20. Dez. 2015

Die Spieler wurden nicht müde, es zu betonen: Die Mannschaft gewinnt zusammen. Die Art, Tore zu bejubeln und Erfolge zu feiern, die freilich ist höchst individuell. Die dabei zum Ausdruck gebrachten Gefühle hängen von der jeweiligen Persönlichkeit ab, von ihrer Empfindsamkeit und von Erfahrungen der Vergangenheit. Nach ihrem Sieg im Endspiel um die FIFA Klub-Weltmeisterschaft erlebten die Spieler des FC Barcelona die Überreichung der Goldmedaille jedenfalls alle höchst unterschiedlich.

Um etwa die Freude zu verstehen, die sich im Gesicht von Neymar abzeichnete, muss man vier Jahre zurück blicken. Im Dezember 2011 trug der Brasilianer noch das Trikot des FC Santos, der die Copa Libertadores in Südamerika gewonnen hatte. Das Finale um die Krone der Königsklassen-Gewinner wurde zum Duell der Wunderkinder Neymar und Messi stilisiert. Doch statt eines rassigen Kräftemessens auf Augenhöhe wurde es eine höchst einseitige Angelegenheit. Die Katalanen siegten deutlich mit 4:0. Der Argentinier schnürte einen Doppelpack, der Brasilianer sah kein Land. "Sie waren haushoch überlegen. Barcelona hat uns eine richtige Lektion in Sachen Fussball erteilt", gestand der damals erst 19-Jährige gegenüber FIFA.com.

Im Anschluss ging das Bild von Neymar im kurzen Plausch mit Messi und Pep Guardiola um die Welt. Was genau besprochen wurde, ist natürlich nicht überliefert, aber vielleicht hat Messi Neymar ja damals einen schnellstmöglichen Wechsel ans Herz gelegt. Schon etwas mehr als ein Jahr später jedenfalls war der Brasilianer selbst ein Blaugrana und damit auch ein Titelsammler. Der letzte, am 20. Dezember 2015 in Japan errungene, hat etwas von einer Revanche. "Heute stehe ich auf der anderen Seite und bin sehr glücklich, Klub-Weltmeister zu sein", so der brasilianische Nationalspieler im Gespräch mit FIFA.com.

Isolation und Konzentration Neymars Glücksgefühl kontrastiert mit der zurückhaltenden Freude, die Javier Mascherano nach dem Sieg in den Stadionkatakomben von Yokohama an den Tag legte. Dabei ist der Verteidiger keinesfalls abgestumpft oder satt. Mascheranos Zurückhaltung hat etwas mit dem Gegner zu tun. "Es war ein sehr schwieriges Finale für mich", gesteht der Jefecito, der seine Karriere 2003 bei River Plate begann, "wegen der Mannschaft, die uns gegenüberstand. In dieser Mannschaft bin ich groß geworden. In dieser Mannschaft wurde ich als Fussballer geboren. Leider gibt es Situationen, in denen man sich abschotten muss. Ich habe versucht, so professionell wie möglich aufzutreten. Ich weiß nicht, ob das richtig ist oder nicht, aber ich muss immer an den Verein denken, bei dem ich spiele."

Der Beweis: Als die Fans der Millonarios – zahlreich und laut – ihn bei der Mannschaftsvorstellung feierten, blieb Barcelonas Defensivmann zurückhaltend und grüßte nicht zurück. "Das ist vielleicht nicht so gut angekommen, aber es sollte keinesfalls respektlos sein", versichert Mascherano. "Seit ich wusste, dass unser Endspielgegner River heißt, habe ich versucht, mich von allem zu isolieren. Ich wollte mich nur auf das konzentrieren, was meine Aufgabe ist und an nichts anderes denken."

Das zumindest ist ihm gelungen, denn die Argentinier bissen sich regelmäßig die Zähne an der vom ehemaligen Millonario organisierten stabilen Defensive aus. Hinzu kam ein auf der Linie überragender Claudio Bravo. Dennoch sprachen die Katalanen hinterher von einem harten Stück Arbeit. "River Plate hat uns das Leben in den ersten 35 Minuten mit Einsatz und Druck schwer gemacht. Erst mit unserem Tor wurde es besser", urteilt der Finalist der letzten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. "Es war nicht einfach. Wir wussten, dass River Plate eine konkurrenzfähige Mannschaft ist, deren Spielweise sie so weit gebracht hat."

Die Besten? Leider hat das für die Argentinier gegen ein großartig aufgelegtes Barça mit seinem treffsicheren und bestens harmonierenden Dreizack nicht gereicht. Lionel Messi erzielte die Führung, Luis Suarez schnürte anschließend einen Doppelpack und Neymar bereitete zwei der Tore vor. "Ich weiß nicht, ob wir die beste Sturmreihe der Welt sind, aber wir verstehen uns gut und sind dabei, unsere Geschichte zu schreiben", erwidert der Kapitän der Seleçao auf die Frage, die nun logischerweise alle stellen. "Aber es kommt ja nicht alle Tage vor, dass man über 150 Tore schießt. Uns gelingt vieles und darüber sind wir sehr froh."

Bei Barcelona sind sie alle glücklich und sie haben ja auch allen Grund dazu. "Dass wir hier angekommen sind, ist das Ergebnis sehr viel harter Arbeit. Wir haben unsere großen Ziele erreicht und das Jahr auf die bestmögliche Weise gekrönt", erklärt Mascherano mit verständlicher Zurückhaltung, aber auch einem Siegerlächeln.