Vorfreude in Fukushima

16. Nov. 2011

Das große Tohoku-Erdbeben und der folgende Tsunami, die Japan am 11. März dieses Jahres erschütterten, verwüsteten eine sich über 500 Kilometer erstreckende Küstenregion und forderten 19.485 Opfer oder Vermisste. Besonders hart traf diese Naturkatastrophe die 200 Kilometer nördlich von Tokio liegende Präfektur Fukushima, in der das Erdbeben und die Flutwelle die Atomkraftanlage Fukushima Dai-Ichi ernsthaft beschädigten. Nach dem Austritt radioaktiver Strahlung fürchteten die zwei Millionen Einwohner Fukushimas das Schlimmste. Noch heute dürfen Menschen, die im Umkreis von 20 Kilometern um die Anlage lebten, nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Jugendliche lassen sich Träume nicht nehmenObwohl Fukushima City, die Hauptstadt der Präfektur, 70 Kilometer von der Anlage entfernt liegt, wurde auch dort hohe radioaktive Strahlung gemessen. Dennoch entschied der heimische Klub Fukushima United FC, die Saison wieder aufzunehmen, und trotz der vielen Probleme in diesem Jahr konnte das Team auf dem Fussballplatz Erfolge feiern. United, das in der vierthöchsten japanischen Spielklasse aktiv ist, konnte seine Division gar gewinnen und ist nun für die regionalen Playoff-Runden um den Aufstieg in die Japan Football League (die dritthöchste Liga des Landes) qualifiziert, die am 18. November beginnen.

Die jungen Spieler der Nachwuchs-Akademie des Klubs sind zwar immer noch über die Situation nach der nuklearen Katastrophe beunruhigt, ihre Fussball-Träume aber lassen sie sich nicht nehmen. "Nach der Katastrophe dachten wir, dass der Fussball für uns vorbei wäre. Als wir hörten, dass Strahlung gemessen wurde, wussten wir einfach nicht, wie es weitergehen würde", sagte Naoto Saitoh, ein Mitglied der U-14-Mannschaft des Vereins. "Doch nach nur sechs Wochen wurde der Betrieb in der Akademie wieder aufgenommen. Es war eine große Erleichterung, meine Teamkameraden wiederzusehen, und ich war glücklich, wieder spielen zu können."

U-13-Spieler Kanta Watanabe wiederum hat sich nicht von seinem Ziel abbringen lassen, Profi zu werden und eines Tages an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft teilzunehmen. "Ich lebte früher in der Nähe eines der radioaktiven Hotspots, die im TV gezeigt wurden. Meine Familie musste evakuiert werden, also dachte ich, dass ich das Fussballspielen aufgeben müsste", sagte Watanabe. "Ich möchte aber immer noch Fussballer werden. Ich weiß nicht, was in der Zukunft geschieht, doch ich möchte einfach nur so lange spielen, wie ich kann."

Toshio Suda, Direktor der Akademie von Fukushima United, unterstrich die Bedeutung der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2011 für den Nachwuchs. "Das Turnier bietet uns die Möglichkeit, Fussball auf höchstem Niveau zu erleben. Das ist großartig, um den Enthusiasmus der Kinder anzufeuern. Der Fussball gibt ihnen Hoffnung und lehrt sie, ihr Bestes zu geben."

Und Klub-Präsident Hayato Suzuku ergänzte: "Die Katastrophe liegt nun acht Monate zurück, doch die nukleare Situation verunsichert uns sehr, was unsere Zukunft betrifft. Aufgrund der Strahlungswerte gibt es Einschränkungen, wie lange die Kinder im Freien spielen können. Das ist eine ungesunde und stressreiche Situation für sie und kann ihre Ziele in Gefahr bringen. Deshalb hoffe ich auf einige großartige Partien während Japan 2011. Ich möchte Top-Spieler sehen, die bis zum Schlusspfiff kämpfen. Das ist ein großartiges Beispiel für junge Menschen, niemals aufzugeben."

Tezuka hat große ZieleDie erste Mannschaft von Fukushima United wird von Satoshi Tezuka trainiert, einem ehemaligen Profi-Stürmer, der es in den 80er Jahren auf 25 Länderspiele für Japan brachte. Seit er sich der Trainertätigkeit zuwandte, war schon einmal ein doppelter Aufstieg mit Fagiano Okayama, die er bis in die 2. Division der J.League führte, einer seiner größten Erfolge.

"Einige Menschen im Ausland denken noch immer, Fukushima und Japan seien nicht sicher. Deshalb denke ich, es ist wichtig, dass Japan die Klub-Weltmeisterschaft austrägt", sagte Tezuka. "Unser Klub spielt momentan nur in der vierten Liga, doch das heißt nicht, dass wir keine großen Ziele haben. Wir wollen wachsen, und eines Tages selbst die asiatische Champions League gewinnen und gegen die besten Klubs der Welt spielen!"

Zunächst aber steht für Fukushima die Vorrunde der regionalen Playoffs um den Aufstieg auf dem Programm. Sollte sich das Team durchsetzen, qualifiziert es sich für die finale Entscheidungsrunde, die am 2. Dezember beginnt. Danach - ob der Aufstieg nun geschafft ist oder nicht - können sich die Fussballer Fukushimas zurücklehnen, über die ereignisreiche Saison nachdenken und Japan 2011 genießen.

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