Schweizer um den Beach-Soccer-Messi unaufhaltsam

26. Aug. 2021
  • Schweiz stürmt ins Halbfinale von Russland 2021

  • Höchster Sieg bei dieser Turnierserie

  • Dreh- und Angelpunkt ist Noel Ott

Interviews nach den Spielen mit den Schweizern bei der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Russland 2021™ in Moskau können durchaus herausfordernd sein – zumindest für die verschwitzten Akteure, die direkt nach Schlusspfiff den Journalisten Rede und Antworten stehen. Da gibt es während Interviews mal einen freundlichen Klaps auf den Rücken, eine überraschende Umarmung oder das Anstarren des Mitspielers kann diesen durchaus zum Lachen bringen. Diese Leichtigkeit, die die Eidgenossen aktuell an den Tag legen, spiegelt sich auch im Beach-Soccer-Stadium wider. Mit einem 10:1-Erfolg gegen Uruguay, dem höchsten Sieg dieser Auflage bis hierhin, zogen die Schweizer souverän ins Halbfinale an.

„Keine Ahnung, was heute los war“, freut sich Noel Ott im Gespräch mit FIFA.com. „In den letzten Spielen mussten wir immer einem Rückstand hinterherlaufen. Da hat es gut getan, dass wir mal vorneweg marschiert sind. Es war aber schon überraschend, wie es ausgegangen ist.“

Ott – der Messi des Beach Soccers

Ott, der sich das Kapitänsamt mit Top-Torjäger Dejan Stankovic teilt, ist einer der ganz großen Stars des Teams. Gibt man in die Suchmaschinen des Internets den Namen 'Noel Ott' ein, so landet man relativ schnell auch beim Namen von einem der besten Fussballer aller Zeiten: Lionel Messi. Warum? Der gesuchte Schweizer gilt gemeinhin als Messi des Beach Soccers.

"Viele Leute vergleichen mich mit ihm", wehrt Ott ab, "weil ich um die Gegner wirble wie ein Wirbelsturm. Ich habe 2014 und 2015 für den FC Barcelona Beach Soccer gespielt. Daher kam der Vergleich von den Fans. Wir sind beide eher klein, schießen viele Tore und sind technisch stark. In der Nationalmannschaft trage ich auch die Nummer 10. Auf einer Stufe mit ihm sehe ich mich aber absolut nicht. Messi ist einer der besten, wenn nicht der beste Fussballer aller Zeiten. Wenn man mit so einem verglichen wird, ist das eine große Ehre."

Exakt bei diesen Worten kommt Teamkollege Philipp Borer hinzu und verdreht die Augen mit einem Lachen: „Schon wieder der Messi-Vergleich? Er ist unser Lionel, aber lass uns über Beach Soccer reden.“

Für Ott gibt es keine Superlative

Also zurück zum Wesentlichen: Im Halbfinale kommt es zum Aufeinandertreffen mit Gastgeber Russland. Ott, inzwischen Arm in Arm mit Borer, schwärmt: „Das ist definitiv ein großes Highlight. Wir hatten schon eins mit dem Erfolg gegen Brasilien, aber gegen den Gastgeber anzutreten, ist immer etwas Besonderes. Die Stimmung dürfte da sicherlich noch ganz anders werden. Wir haben nichts zu verlieren, während die Russen sicherlich unter Druck stehen. Das kann ein Vorteil sein.“

Im Sommer 2020 sah die Welt von Ott noch ganz anders aus. Eine Knieverletzung setzte ihn monatelang außer Gefecht. Erst im Frühling kehrte der 27-Jährige zurück auf den Sand. „An einen solchen Erfolg hier in Russland war vor einem Jahr nicht zu denken. Aber in der Vorbereitung auf das Turnier habe ich mich immer besser gefühlt und konnte mich langsam an mein früheres Leistungsniveau herantasten. Ich bin überglücklich.“

Sein Trainer Angelo Schirinzi, mit dem er seit fast zehn Jahren zusammenarbeitet, weiß, was er an Ott hat. „Er ist fantastisch – als Spieler und als Person. Es gibt keine Superlative für ihn.“ Dem kann auch Co-Kapitän Stankovic nur zustimmen. „Er hat diese Leichtigkeit am Ball, mit der er den Gegner umspielen kann. Er hat das Auge für den Mitspieler und trifft die richtigen Entscheidungen – Alleingang oder lieber zurückspielen.“

MOSCOW, RUSSIA - AUGUST 26: Players of Switzerland celebrate their side's victory after the FIFA Beach Soccer World Cup 2021 Quarter-final match between Switzerland and Uruguay at Luzhniki Beach Soccer Stadium on August 26, 2021 in Moscow, Russia. (Photo by Octavio Passos - FIFA/FIFA via Getty Images)

Auf den Spuren von 2009

Für die Schweizer ist das Erreichen des Halbfinales übrigens das beste Ergebnis seit 2009 (Platz zwei). Seitdem war für die Schweiz dreimal im Viertelfinale (2015, 2017, 2019) sowie einmal in der Gruppenphase Endstation. Ott schnupperte 2015 in Portugal als 21-Jähriger erstmals WM-Luft und schloss das Turnier mit dem Bronzenen Schuh von adidas als drittbester Torschütze ab.

Im Vergleich zum „echten“ Messi hat er in dieser Beziehung angesichts von drei Triumphen bei FIFA Klub-Weltmeisterschaften sowie einem U-20-WM-Erfolg noch etwas Nachholbedarf. „Kein Problem! Mir würde schon der Titel am Sonntag reichen“, lacht Ott zum Abschluss und zieht gemeinsam mit Borer Richtung Umkleidekabine davon.

MOSCOW, RUSSIA - AUGUST 26: Philipp Borer of Switzerland celebrates with team mates after scoring their side's second goal during the FIFA Beach Soccer World Cup 2021 Quarter-final match between Switzerland and Uruguay at Luzhniki Beach Soccer Stadium on August 26, 2021 in Moscow, Russia. (Photo by Octavio Passos - FIFA/FIFA via Getty Images)