Emerson: "Die Bahamas sind Lebensfreude pur"

Emerson gab sein Debüt 1994 bei Grêmio Porto Alegre und wechselte nur drei Jahre später zu Bayer 04 Leverkusen. Dies war für den Brasilianer der Ausgangspunkt für eine ausgesprochen erfolgreiche Karriere in Europa, in deren Verlauf er mit AS Rom, Juventus Turin und dem AC Mailand in der italienischen Serie A und mit Real Madrid in der spanischen Liga Titel holte.

Auch seine Länderspielkarriere war beachtlich. Fast 20 Jahre lang lief er für die Seleção auf und belegte mit ihr bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ Frankreich 1998 und beim FIFA Konföderationen-Pokal 1999 jeweils den zweiten Platz.

Doch die Zeit geht an niemandem spurlos vorüber, und so musste auch Emerson die Fussballschuhe irgendwann an den Nagel hängen. Der mittlerweile 40-Jährige blieb dem Fussball jedoch in einer anderen Funktion erhalten, nämlich als FIFA-Legende. Seine neue Rolle führte ihn auch auf die Bahamas und zur offiziellen Auslosung der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft 2017.

FIFA.com sprach in einem Exklusiv-Interview mit dem ehemaligen Mittelfeldspieler über seine neue Aufgabe und über das Weltturnier auf Sand, das im Zeitraum vom 27. April bis zum 7. Mai in Nassau stattfindet.

Sie hatten als neuer Botschafter für den Beach Soccer bereits Gelegenheit, das WM-Stadion kennenzulernen, oder? Ja, es macht einen sehr guten Eindruck. Ich habe eine sehr gute Organisation vorgefunden. Alle, die an diesem Projekt beteiligt waren, sind zu beglückwünschen. Die Bahamas sind Lebensfreude pur. Auf der Straße sieht man Menschen, die singen, und die Fröhlichkeit dieses Volkes wird auch in der Arena Einzug halten. Die Lebensfreude ist mit der brasilianischen vergleichbar, dieses Glücksgefühl, das sich in meinem Land einstellt, wenn wir über Fussball reden.

Wie die meisten Brasilianer haben auch Sie bereits auf Sand gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?   In Brasilien beginnt man am Strand, dann geht es mit Futsal weiter und schließlich auf dem Rasen. Ich habe mit neun Jahren mit dem Fussballspielen angefangen und die ersten Schritte auf Sand gemacht. Das ist sehr hilfreich. Die Ballkontrolle, eine der großen Schwierigkeiten, mit denen Profis konfrontiert sind, ist weniger problematisch, wenn du sie schon als Kind auf Sand lernst. Nach einigen Jahren werden die Dinge dann leichter und sind auch auf einem anderen Untergrund ganz natürlich. Später habe ich meine Karriere dann auf Rasen fortgesetzt, und ich kann auf jeden Fall sagen, dass diese Phase meines Lebens sehr hilfreich war.

Brasilien verfügt bei dieser WM über eine sehr starke Mannschaft. Wie bewerten Sie sie mit Blick auf die Auslosung? Unabhängig von der Gruppe, in die die Seleção gelost wird, wissen wir, dass die Verhältnisse im Beach Soccer sehr ausgeglichen sind. Es gibt Mannschaften, die bei der Rasenvariante über keine große Tradition verfügen, wohl aber am Strand. Brasilien ist stark und kann ein gutes Turnier spielen. Es gibt allerdings auch noch andere gute Mannschaften. Alle Spiele werden schwer werden, doch die Brasilianer sind mit ihrem derzeitigen Kader sicher auf Großes vorbereitet.

Sie waren ein Spieler, der sich körperlich immer sehr verausgabt hat. Das spielt auch im Beach Soccer eine große Rolle: Man muss viel Laufarbeit leisten. Was sind auf Sand die wichtigsten Eigenschaften eines guten Spielers?  Das ist ein ganz anderes Spiel, angefangen vom Sand, der die Sache viel schwieriger macht. Daher sind die Techniken auch unterschiedlich. Die Spieler spielen oft hohe Bälle, weil dies ein genaueres Passspiel erlaubt. Das Spielfeld ist kleiner. Daher gibt es zahlreiche Formen der Ballbehandlung, die ich nicht erlernen konnte, und ich hätte es sicherlich schwer. Ich würde einige Zeit brauchen, um mich anzupassen. Deshalb finde ich, dass der Beach Soccer unsere Bewunderung verdient.

Die Bahamas gehen als Gastgeber zwar nicht als Favorit ins Rennen, können jedoch auf die Unterstützung und ausgelassene Stimmung des heimischen Publikums zählen. Die Auswahl des Gastgebers verfügt aufgrund ihrer Fans und der Stimmung, die sie erzeugen, über ein Plus. Die Fans können eine Atmosphäre schaffen, die dafür sorgt, dass ihr Team mehr Einsatz zeigt. Natürlich geht mit dem Heimvorteil auch eine größere Verantwortung einher, aber eine solche Unterstützung ist bei einem so wichtigen Turnier wie diesem eine große Hilfe.

Was bedeutet es für Sie, eine FIFA-Legende zu sein?  Das erfüllt mich mit Stolz, weil ich weiß, dass nur wenige diese Möglichkeit haben. Ich glaube, ich bin wegen meiner langjährigen Arbeit bei den Teams, die ich durchlaufen habe, in Erinnerung geblieben. Und auch wegen der Zeit in der brasilianischen Nationalmannschaft, denn wenn du für dein Land aufläufst, hinterlässt du ein wichtiges Vermächtnis. Also danke ich der FIFA für die Chance, das Beste, was ich habe, einbringen zu können.

Was können Sie der Fussballwelt geben? Den Leuten ist nicht bewusst, wofür ein Fussballer auf dem Spielfeld und abseits davon steht. Und es ist sehr wichtig, dies bekanntzumachen, weil wir Vorbilder sind, denen viele Kinder nacheifern wollen. Aus diesem Grund habe ich immer versucht, die Mannschaften, für die ich gespielt habe, auf bestmögliche Weise zu repräsentieren und den jungen Leuten ein positives Bild zu vermitteln.

Die FIFA unter Präsident Gianni Infantino möchte, dass der Fussball zur FIFA und die FIFA zum Fussball zurückkehrt. Ist das ein gutes Signal, das man unter Einbindung der Fussballprofis aussendet?  Ich hatte Gelegenheit, Präsident Infantino kennenzulernen und habe mich über viele seiner Aussagen und über seine Vorstellung von der FIFA sehr gefreut. Er gibt den Sportlern Raum, um Stellung zu beziehen und über den Fussball zu diskutieren. Die FIFA trägt eine sehr große Verantwortung. Es ist gut, ein solches Bild zu vermitteln. Ich glaube, die Leute sind sehr glücklich darüber, dass der Präsident heute eine solche Einstellung vertritt. Daher kann er auf mich und auf die anderen Sportler zählen. Ich glaube, dass jeder Einzelne einen gewissen Beitrag leisten wird.

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