FIFA: Jeder soll sich im Fussball sicher und willkommen fühlen

29. Okt. 2020
  • Norwegischer Schiedsrichter hat sich diese Woche in einem Zeitungsinterview geoutet

  • Joyce Cook, FIFA-Verantwortliche für soziale Verantwortung, lobt "mutigen Schritt"

  • Präsident des norwegischen Fussballverbands betont Vorbildfunktion

Der norwegische Schiedsrichter Tom Harald Hagen sagte am Montag: "Die Zeit ist reif", nachdem er sich in einem Zeitungsinterview öffentlich als schwul geoutet hatte. Hagen ist ein ehemaliger FIFA-Schiedsrichter, der auf internationaler Ebene als Spieloffizieller fungiert hat, insbesondere im europäischen Wettbewerb sowie in der Vorrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Derzeit ist er in der norwegischen Liga aktiv.

Im Interview mit der norwegischen Zeitung Glåmdalen erklärte Hagen: "Es gab unglaublich viele nette Worte und Nachrichten. Ich bin etwas überrascht über die große Aufmerksamkeit, die dem ganzen zuteil geworden ist, aber es ist sehr schön, solche Nachrichten zu lesen, insbesondere von jungen Fussballern, Schiedsrichtern, Fans und Trainern. Es gab auch Eltern, die mir im Namen ihrer Kinder gedankt haben."

Joyce Cook, FIFA-Direktorin für soziale Verantwortung und Bildung, dazu: "Die FIFA lobt Hagen für diese mutige Entscheidung. Ein Coming-out von einem Aktiven und die positiven Reaktionen, die es insgesamt ausgelöst hat, setzt ein klares Zeichen für Vielfalt. Der Fussball muss für alle offen sein, und Tom Haralds mutiger Schritt ist wichtig und wegweisend, um dafür zu sorgen, dass sich in unserem Spiel jeder sicher und willkommen fühlt."

Terje Svendsen, der Präsident des norwegischen Fussballverbands, bewertete Hagens Offenheit ebenfalls positiv. Auf der Website des Verbands erklärte er: "Die Tatsache, dass es im Fussball nur wenige Männer gibt, die offen schwul sind und dass sie noch immer mit feindseligen Kommentaren zu kämpfen haben, zeigt, dass in unserer Organisation und Kultur noch viel zu tun bleibt. Es ist wirklich gut, Vorbilder wie Tom Harald zu haben. Ich hoffe, dass dies eine Entwicklung nach sich zieht, mehr Männer sich als schwul outen und mehr Menschen sich für den Fussball entscheiden."

Die FIFA hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um die Vielfalt im Fussball zu fördern und Diskriminierung zu bekämpfen, insbesondere Diskriminierung, die auf der sexuellen Orientierung basiert. Der FIFA Good Practice Guide zu Vielfalt und Antidiskriminierung unterstützt alle FIFA-Mitgliedsverbände bei der Intensivierung ihrer Maßnahmen zur Schaffung eines einladenden, diskriminierungsfreien Umfelds. Die Struktur und alle in dem Leitfaden genannten Lösungsvorschläge dienen dem Kampf gegen Homophobie.

Darüber hinaus unterstützt die FIFA ihre Mitgliedsverbände direkt bei der Erarbeitung von Aktionsplänen auf der Grundlage einer umfassenden Strategie, die Reglemente, Bildung, Sanktionen, Kontrollen, Vernetzung, Engagement sowie Kommunikation einschließt. Nach einer Reihe von Sanktionen infolge von homophoben Zwischenfällen erarbeitet die FIFA derzeit gemeinsam mit einzelnen Mitgliedsverbänden Pilotprojekte zur Vermeidung weiterer Zwischenfälle.

Außerdem macht die FIFA aktiv auf dieses Thema aufmerksam, beispielsweise mit der jährlich verliehenen FIFA-Auszeichnung für Vielfalt, die im Jahr 2016 eingeführt wurde. Für die jährlich zusammengestellte Jury werden systematisch Experten aus der Fussballgemeinschaft ausgewählt, die sich selbst bereits gegen Homophobie im Fussball ausgesprochen haben (frühere Jury-Mitglieder sind unter anderem die ehemalige U.S.-Nationalspielerin und Weltmeisterin Abby Wambach, der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger und der englische Schiedsrichter Ryan Atkin). Unter den Nominierten und Finalisten waren die International Gay & Lesbian Football Association, Football v Homophobia und der russische LGBT-Sportverband (Russian LGBT Sport Federation).

Schließlich wurde 2019 auch das FIFA-Disziplinarreglement aktualisiert und orientiert sich jetzt an den höchsten internationalen Standards. Herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen oder Handlungen in Bezug auf die sexuelle Orientierung werden sanktioniert.