Zidane, der Trainer – die Premiere

Einige Bilder sind unauslöschbar. Jener Volleyschuss von der Strafraumgrenze im Finale der UEFA Champions League 2002 gegen Bayer Leverkusen in Glasgow zum Beispiel. Oder die beiden Kopfballtore, die bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1998 in Frankreich ein ganzes Land in Ekstase versetzten. Seine fantastischen Roulettes, seine unberechenbaren Finten, seine präzisen Schüsse – der Name Zinedine Zidane ist mit vielen großen Fussballmomenten der letzten beiden Jahrzehnte verknüpft.

Jetzt steht der legendäre ehemalige Spielmacher vor einer ganz neuen Herausforderung. Er will als Cheftrainer von Real Madrid, dem Klub, bei dem er seinen Legendenstatus zementierte, an seine alten Erfolge anknüpfen. Die ganze Welt wartet gespannt auf den Einstand des Superstars am Samstag im Heimspiel gegen Deportivo La Coruña, und gemeinhin stellt man sich die Frage, ob er die gigantischen Erwartungen erfüllen kann.

Die Neugier ist groß, und in dem Versuch, sie zu befriedigen, hat FIFA.com sich mit Diego Llorente unterhalten, der letztes Jahr bei Real Madrid Castilla, der zweiten Mannschaft des spanischen Spitzenklubs, von dem Franzosen trainiert wurde. Mittlerweile spielt der Innenverteidiger auf Leihbasis für Rayo Vallecano und versichert: "Es wird von der ersten Minute an zur Sache gehen."

Ein sehr kompletter Trainer** **"Letztes Jahr hatte ich bereits die Chance, anderswo Spielpraxis zu sammeln", so der 22-jährige Abwehrspieler zu Beginn unseres Gesprächs. "Doch als ich erfuhr, dass Zidane bei Castilla Trainer werden würde, war dies für mich ein Grund, noch zu bleiben. Hier bot sich die unglaubliche Chance, von einer Legende zu lernen. Das hat die Mannschaft von Beginn an motiviert", fügt er hinzu.

Llorente ist einer der wenigen, die das Privileg hatten, von dem Franzosen trainiert zu werden, und daher ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es darum geht herauszufinden, was die Fans der Königlichen am Samstag erwartet. "Wir haben immer versucht, Offensivfussball zu spielen, Druck zu machen, wenn wir nicht im Ballbesitz waren und so viel Zeit wie möglich in der Spielfeldhälfte des Gegners zu verbringen. Die taktische Ausrichtung war allerdings nicht immer dieselbe, sondern wurde bisweilen an den Gegner angepasst."

Llorente, der bei Castilla stellvertretender Teamkapitän war, bestritt 31 Spiele unter dem Franzosen und beschreibt Zizou als sehr kompletten Trainer. "Er macht seine Sache sowohl auf individueller Ebene als auch im taktischen Bereich gut. Wenn du etwas besser machen musst, sagt er es dir, und genauso auch auf kollektiver Ebene. Allerdings hat er immer ein intensives Spiel gefordert, unabhängig von den jeweiligen Umständen. Und er sagte immer: 'Bei einem Klub wie Madrid ist das nicht verhandelbar.'"

Außerdem überlässt der neue Trainer der Königlichen nichts gern dem Zufall, genau wie seinerzeit als Profi. "Er mischt sich nicht in das Privatleben seiner Spieler ein, doch gemeinsam mit seinem Trainerstab kümmert er sich um alle Aspekte, die sich auf den sportlichen Bereich auswirken könnten. Die Ernährung, das Fitnesstraining, die Gesundheit…Er hat auf jeden Fall alles unter Kontrolle, was seine Spieler betrifft. Daran gibt es keine Zweifel."

Respekt und Bewunderung** **Natürlich geht es hier nicht um irgendeinen Trainer, sondern um einen, der als Spieler unvergleichlich war. Das dürfte bei seinem Start in die Trainerlaufbahn ein großer Vorteil sein. "Es heißt, er hätte keine Erfahrung, aber schließlich sprechen wir hier von Zidane", so Llorente bestimmt. "Vielleicht hat er noch nicht viel Erfahrung als Trainer, aber für einen Fussballer ist es sehr wichtig, einen Trainer zu haben, der so viel erlebt hat und die Belange der Spieler so gut versteht. Ich glaube, das wird man jetzt bei Real Madrid sehen."

Er untermauert seine Aussage mit einem einfachen Beispiel. "Manchmal ging es nach dem Training etwas entspannter zu und einmal haben wir ihn nach diesem Panenka-Elfmeter im WM-Finale 2006 gefragt. Ob er keine Angst hatte, dass es schief gehen könnte. Seine Antwort war einfach unglaublich. Er sagte uns, er sei nicht nervös gewesen, da noch viel Zeit war, um sich von einem Rückschlag zu erholen. Diese Kaltblütigkeit, diese Einstellung, das sind Dinge, die man von ihm lernen kann."

Wie wird es nun also für Zinedine Zidane als Cheftrainer von Real Madrid laufen? Llorente wagt eine Prognose: "Er ist ein Trainer mit vielen Kenntnissen, der weiß, was Real Madrid ausmacht und er ist eine Respektsperson. Das wissen die Spieler zu schätzen und ich bin sicher, dass sie mit ihm an einem Strang ziehen werden. Es wird gut für ihn laufen."