TSG-Experten analysieren die Finalisten

  • Die FIFA-Experten legen das Augenmerk auf physische Qualitäten der Gastgeber und japanische Disziplin

  • Beide Teams haben hervorragende Torhüter

  • Pascal Zuberbühler nimmt die Männer zwischen den Pfosten unter die Lupe

Nach Siegen gegen die Schweiz bzw. Senegal im Halbfinale, treffen die RFU und Japan am Sonntag im Finale der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Russland 2021™ aufeinander. Das Endspiel verspricht ein spannendes Duell zwischen zwei Topteams dieser Sportart zu werden. Kurz vor dem Finale haben die technischen Experten der FIFA die beiden Finalisten und die Eigenschaften analysiert, dank derer sie so weit gekommen sind. Claude Barrabé (technischer Experte der FIFA): Wir haben mit dem Gastgeber und der Überraschungsmannschaft aus Japan zwei gute Teams im Finale. Die Begegnung verspricht Offensivfussball von hoher Intensität. Die Halbfinalpartien waren sehr hart umkämpft, und insbesondere die Japaner haben mit einer sehr soliden Abwehrleistung für eine Überraschung gesorgt. Sie haben hinten nichts anbrennen lassen.

Sie setzen auf eine traditionelle 1-2-2-Formation und bauen ihr Spiel auf einem defensiven Block rund um Kapitän Ozu auf. Er ist der Führungsspieler in der Defensive und beim Spielaufbau. Das System der Japaner ist allerdings nicht in Stein gemeißelt. Manchmal nutzen sie auch ein 1-3-1. Japan kann sich sehr gut auf die Formation des Gegners einstellen. In der Offensive kommen sie mit Positionsangriffen und auch Kombinationen mit dem Torwart zum Erfolg, alles orchestriert von ausgesprochen ballgewandten Spielern. Bei Japan ist die Mannschaft der Star! Die RFU spielt eine ähnliche 1-2-2-Formation, setzt jedoch mehr auf Einzelspieler, allen voran die Torhüter Maksim Chuzhkov und Stanislav Kosharnyi. Kosharnyi ist besonders spielstark und profiliert sich besonders in Angriffsszenarien. Außerdem kehren für das Finale drei sehr gute Spieler ins Team zurück, nämlich Artur Paporotnyi, Alexey Makarov und Fedor Zemskov, die im Halbfinale alle gesperrt waren. Die RFU hat ein physisch starkes Team, das unerschrocken in die Zweikämpfe geht, und außerdem die Fans im Rücken. Auch die große Erfahrung könnte sich als sehr nützlich erweisen. Schließlich haben sie schon zwei Weltmeisterschaften gewonnen, während Japan zum ersten Mal im Finale steht.

ESPINHO, PORTUGAL - JULY 10: Head coach Claude Barrabe of Madagascar reacts during the FIFA Beach Soccer World Cup Portugal 2015 Group D match between Tahiti and Madagascar at Espinho Stadium on July 10, 2015 in Espinho, Portugal. (Photo by Alex Grimm - FIFA/FIFA via Getty Images)

Matteo Marrucci (technischer Experte der FIFA) Die beiden Teams treffen bei diesem Turnier zum zweiten Mal aufeinander, im Gruppenspiel konnte die RFU sich mit 7:1 durchsetzen. Ich glaube allerdings nicht, dass wir viel auf dieses Spiel geben sollten. Schließlich war das die Gruppenphase, Japan hatte den Einzug in die nächste Runde bereits perfekt gemacht und die RFU stand mit dem Rücken an der Wand. Ich erwarte, dass beide Teams wie üblich mit einem 1-2-2-System spielen werden, wobei Japan manchmal auch auf ein 1-3-1 wechselt. Beide Teams haben hervorragende Torhüter. Die RFU setzt abwechselnd Maksim Chuzhkov und Stanislav Kosharnyi ein. Japan setzt derweil ganz auf Yusuke Kawai, der den Ball im Gegensatz zu den RFU-Torhütern hauptsächlich mit den Händen nach vorn spielt. Japan spielt sehr diszipliniert und strukturiert. Kawai spielt lange Bälle auf die beiden Pivots, Shusei Yamauchi und Takuya Akaguma, und die Japaner verfügen auch über einige interessante Optionen auf den Flanken, denn ihre Flügelspieler sind sehr schnell. Hinten macht Ozu mit seinem schnörkellosen Spiel alles dicht und wagt sich nur selten weit nach vorn. Das Team der RFU weiß mit physischer Stärke zu beeindrucken und macht das Spiel schnell. Außerdem kehren drei Leistungsträger ins Team zurück, die Japan das Ganze noch zusätzlich erschweren werden. Das dürfte ein spannendes Spiel werden.

RAVENNA, ITALY - SEPTEMBER 05: Matteo Marrucci of Italy celebrates after victory in the FIFA Beach Soccer World Cup Group A match between Italy and Switzerland at Stadium del Mare on September 5, 2011 in Ravenna, Italy.  (Photo by Dean Mouhtaropoulos - FIFA/FIFA via Getty Images)

Pascal Zuberbühler (Torhüterexperte der FIFA) Die Torhüter spielen in beiden Teams eine wichtige und starke Rolle, auch wenn die Ansätze unterschiedlich sind. Japan spielt nur mit einem Keeper, nämlich Yusuke Kawai. Er ist ein fantastischer Spieler, der das Spiel extrem gut lesen kann und dessen Positionsspiel eine Wissenschaft ist. Er ist sehr aktiv in seinem Strafraum, verlässt diesen allerdings eher selten. Er arbeitet lieber mit den Händen als mit den Füßen, aber seine Abwürfe sind zielsicher. Kawai spielt eine sehr dominante Rolle, Angst kennt er nicht. Er setzt sich unermüdlich ein und blockt ohne zu zögern Schüsse aus nächster Nähe ab. Ich habe schon Torhüter gesehen, die sich bereitwilliger in die Offensive einschalten, aber das kann eine taktische Option sein, wenn man weiß, dass Ozu hinten bleibt und die Ballverteilung übernimmt. Bei der RFU spielen die Torhüter eine besondere Rolle. Zunächst einmal kommen zwei zum Einsatz, nämlich Maksim Chuzhkov und Stanislav Kosharnyi, die sich regelmäßig abwechseln, unabhängig davon, wie gut sie gerade spielen. Beide sind hervorragende Keeper, wobei Kosharnyi vielleicht der komplettere von beiden ist. Er ist versierter mit dem Ball am Fuß und geht dadurch mehr Risiken ein. Er hat keine Angst, seinen Strafraum zu verlassen. Gegen die Schweiz ist er sogar mit nach vorn gegangen und hat versucht, ein Tor zu erzielen. Das Distanzduell zwischen den Torhütern dürfte interessant werden!

ZURICH, SWITZERLAND - DECEMBER 17: In this handout image provided by FIFA, Pascal Zuberbuehler is seen presenting The Best FIFA Men's Goalkeeper award as Manuel Neuer and Jan Oblak are seen looking on from a video link during the The Best FIFA Football Awards on December 17, 2020 in Zurich, Switzerland. (Photo by Valeriano Di Domenico/FIFA via Getty Images)