Senong will mithilfe der Jugend Geschichte schreiben

19. Sept. 2020
  • Lesotho qualifizierte sich noch nie für eine WM oder die Afrikameisterschaft

  • Thabo Senong will mithilfe der Jugend Geschichte schreiben

  • Senong führte Südafrika zwei Mal zur FIFA U-20-WM

In Lesotho wiederholt sich eine alte Geschichte immer wieder, eine ziemlich traurige Geschichte. Es ist die Geschichte eines Landes, das total fussballbegeistert ist, das sich trotz aller Leidenschaft aber noch nie für ein großes Turnier qualifizieren konnte. Weder bei den 22 Auflagen der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ noch bei den 32 Auflagen des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals konnte sich Lesotho bis dato in die illustre Liste der Teilnehmernationen eintragen.

Auch wenn sich dieser lange Leidensweg nach Katar 2022™ fortsetzen wird, so hoffen die Likuena (Krokodile) darauf, bis 2022 zumindest auf kontinentaler Ebene das Blatt zu wenden – und dann auf dem Weg zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ ein umjubeltes Erfolgskapitel zu schreiben. Dafür richtet Lesotho den Blick gezielt in die Zukunft, setzt dabei voll und ganz auf die Jugend … sowohl auf dem Feld als auch auf der Trainerbank. Mit dem 40-jährigen Südafrikaner Thabo Senong hat nun ein junger und erfolgshungriger Coach das Zepter bei der lesothischen Nationalmannschaft übernommen.

"Ich glaube nicht, dass das Alter des Trainers eine Rolle spielt", sagt Senong gegenüber FIFA.com. "Die Welt hat schon viele Trainer erlebt, die bereits in jungen Jahren erfolgreich waren. Ich denke da beispielsweise an Rinus Michels, Franz Beckenbauer, Arrigo Sacchi, Roberto Martinez oder Carlos Alberto Parreira", so der neue Nationalcoach Lesothos weiter. Anschließend kommt er auf sein Erfolgsrezept zu sprechen, um sich trotz seines jungen Alters den Respekt seiner Spieler zu verdienen: "Ich setze seit jeher auf Leidenschaft und Menschlichkeit. Diese Werte sind sehr wichtig für mich. Dazu habe ich die nötige Erfahrung, um einzelne Spieler genauso wie ganze Mannschaften weiterzuentwickeln", so Senong, der bereits im Alter von 20 Jahren die Trainerlaufbahn einschlug.

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Rat der Älteren trifft auf Tempo der Jugend

Zwanzig Jahre. So alt sind die Spieler, die er bereits erfolgreich trainiert und auf das höchste Niveau ihrer Altersklasse gebracht hat. Als Cheftrainer war Senong zwischen 2015 und 2019 für die südafrikanische U-20-Nationalmannschaft verantwortlich. In dieser Zeit gewann er 2017 den afrikanischen COSAFA-Cup für U-20-Teams und qualifizierte sich mit seiner Mannschaft sowohl 2017 als auch 2019 für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft™, bei denen England bzw. die Ukraine den Titel holten. "Aus taktischer Sicht waren die europäischen und asiatischen Teams den Mannschaften aus Afrika leicht überlegen", so sein Fazit aus diesen beiden Turnieren. "Für Teams aus Europa und Asien sind vor allem die Mannschaftstaktik und die kognitiven Fähigkeiten wichtig, um Spiele zu gewinnen. Die Mannschaften aus Afrika, Südamerika und der CONCACAF-Region setzen hingegen verstärkt auf die technischen und athletischen Fähigkeiten einzelner Spieler."

Mit dieser Erfahrung hat Senong nun die Herausforderung angenommen, eine A-Nationalmannschaft zu trainieren. Bei der Arbeit mit einem älteren und reiferen Spielerkader muss er viele seiner bisherigen Methoden anpassen: "Der Übergang vom Nachwuchs- in den Männerbereich ist nicht einfach. Ich musste meine Arbeit umstellen und vor allem flexibel sein, um das Beste aus den Spielern herauszuholen", gibt der Mann, der im Township Soweto geboren wurde, unumwunden zu. "Ich musste auch den Stil meiner Ansprachen ändern. Außerdem dürfen sich die Spieler mehr einbringen. Die älteren Akteure sind erfahren und haben eine eigene Meinung zu taktischen Dingen. Also höre ich ihnen zu, nehme ihre Ideen auf und wäge dann ab, ob sie zum jeweiligen Wettbewerb, zum Gegner, zu unserem Team sowie zu unseren taktischen Überlegungen passen. Im Männerbereich ist man weniger Lehrer für die Spieler. Man bringt stattdessen mehr Zeit auf, um aus ihren Persönlichkeiten und ihren Verbindungen untereinander ein funktionierendes Team zu formen."

Nichtsdestotrotz hält Senong an seinem größten Faustpfand fest, um das Maximale zu erreichen: "Wir möchten jüngeren und talentierteren Spielern eine Chance geben", so der Coach, der in der ersten Qualifikationsrunde für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ gegen Äthiopien keinen Spieler über 30 aufgeboten hat. "Wir müssen den jungen Spielern mehr internationale Spielpraxis ermöglichen, damit sie sich weiterentwickeln können. Außerdem hoffen wir darauf, dass einige von ihnen den Sprung in die ausländischen Ligen schaffen. Unser Spiel soll schnell sein – ganz gleich, ob wir im Ballbesitz sind oder nicht. Daher liegt unser Fokus auf jungen, starken und schnellen Spielern."

Thabo Senong kurz vorgestellt

  • Abschluss als professioneller Fussballtrainer in Südafrika

  • CAF-A-Lizenz

  • Diplom als Fussballtrainer des Johan-Cruyff-Instituts

  • Inhaber einer FIFA-Nachwuchstrainerlizenz und FIFA Trainer-Ausbilder

  • Cheftrainer der südafrikanischen U-20-Nationalmannschaft von 2014 bis 2019

  • Assistenztrainer der südafrikanischen A-Nationalmannschaft von 2014 bis 2018

  • Gewinner des U-20-COSAFA Cups im Jahr 2017

  • Qualifikation für die FIFA U-20-Weltmeisterschaften™ 2017 und 2019

Siegen und träumen

Die neue Philosophie trug gegen Äthiopien noch keine Früchte: Nach einem 0:0 auswärts und einem 1:1 auf heimischen Boden musste Lesotho aufgrund der Auswärtstorregel die Segel streichen. Doch die Mannschaft hat noch eine weitere Gelegenheit, um das neue Erfolgsrezept in Zählbares umzumünzen. Bei den Qualifikationsspielen für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2022 in Kamerun spielt Lesotho in einer Qualifikationsgruppe mit Nigeria, Benin und Sierra Leone. Das Ziel ist klar: Die Mannschaft will die große Überraschung schaffen und sich für das wichtigste Turnier des afrikanischen Kontinents qualifizieren: "Als Außenseiter haben wir den Vorteil, dass wir wachsam und gut vorbereitet sein werden", sagt Senong. "Wir arbeiten intensiv daran, den Spielern den Glauben an den eigenen Erfolg einzuimpfen. Außerdem wollen wir die Chemie im Team, die Physis der Spieler sowie das mannschaftliche Zusammenspiel verbessern."

Auf diese Weise soll der Traum der historischen ersten Teilnahme an der kontinentalen Endrunde Wirklichkeit werden. Doch es geht auch darum, die Fans zufriedenzustellen: "Sie lieben offensiv ausgerichteten Ballbesitzfussball mit vielen Toren. Was sie gar nicht mögen, ist eine zu direkte Spielweise ohne Esprit, Kreativität und Fantasie", weiß Senong zu berichten. "Die Fans können anspruchsvoll, manchmal etwas ungeduldig und bisweilen sogar aggressiv sein. Aber sie lieben es sehr, wenn wir gewinnen." In diesem Sinne hofft ganz Lesotho darauf, bald eine Erfolgsgeschichte erzählen zu können – eine mit Happy End.

Head coach Thabo Senong of South Africa