Salgado: Zidane als Trainer von Real Madrid war einfach Schicksal

Am Samstag steht im Camp Nou wieder der Clasico der spanischen Liga zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid auf dem Programm. Die Madrilenen werden alles für einen Sieg geben, um im Rennen um den Meistertitel noch eine Chance zu wahren. In seiner aktiven Zeit war Real Madrids heutiger Cheftrainer Zinedine Zidane eine der zentralen Figuren in diesen Duellen. Dies weiß wohl niemand besser als sein ehemaliger Teamkamerad Michel Salgado.

FIFA.com traf sich kürzlich zu einem Gespräch mit Salgado und wollte von ihm erfahren, was er zur Ernennung von Zidane als Cheftrainer bei seinem Herzensklub Real Madrid, zur Stärke der spanischen Liga insgesamt und zum beispiellosen Duell um den FIFA Ballon d'Or zwischen Lionel Messi Cristiano Ronaldo in den vergangenen Jahren zu sagen hat.

FIFA.com:Als Botschafter der spanischen Liga betonen Sie immer wieder, dass diese Liga eben mehr ist, als Real Madrid und Barcelona.Warum ist es so wichtig, diese Botschaft zu vermitteln? Michel Salgado: Die spanische Liga hat sich erst relativ spät zu einem Exportschlager entwickelt. Klubs aus der englische Premier League unternehmen hingegen schon seit vielen Jahren Reisen nach Asien und auch hierher in die USA, natürlich in erster Linie wegen der Sprache. Jetzt versuchen wir zu zeigen, was die spanische Liga zu bieten hat – und das ist eben weit mehr als nur Real Madrid und der FC Barcelona. Wir sind die erste Liga, die mit fünf Teams in der UEFA Champions League vertreten ist. Wir haben Teams, die hervorragende Nachwuchsarbeit leisten und Jahr für Jahr Spieler mit ganz bestimmten Spielweisen hervorbringen. Mit dem Gewinn dreier internationaler Titel in Folge hat diese Spielergeneration für den spanischen Fussball etwas geleistet, das sehr schwer zu wiederholen sein dürfte. Und die Liga hat daran einen maßgeblichen Anteil gehabt.

Warum kann die spanische Liga es mit jeder anderen der Welt aufnehmen?Wir verbessern kontinuierlich die Spielweise, unser Markenimage, unseren Wiedererkennungswert. Der neue TV-Rahmenvertrag wird sich in einer sehr ähnlichen Größenordnung bewegen wie derjenige der Premier League. Das wird die Qualität und das Niveau der Teams weiter steigern. Und wir können durchaus behaupten, dass wir die beiden besten Mannschaften und auch die besten Spieler der Welt haben. Es gibt also viele gute Gründe, noch etwas mehr aus der Liga zu machen.

Auch wenn die Liga mehr ist, als Real Madrid und Barça – was sagen Sie zur Ernennung von Zinedine Zidane zum Chefcoach von Real?Er war einer der besten Spieler, die ich je erlebt habe. Wenn er in die Umkleide kommt, denken sicher alle "Wow!" Sie werden ihn auf jeden Fall respektieren und auf ihn hören. Er zeigt auf und abseits des Platzes sehr viel Charakter. Manchmal wirkt er ja fast ein bisschen schüchtern, aber wenn es um die Beziehungen zu anderen Personen geht, dann zeigt er seinen besonderen Charakter. Er hat algerisches Blut in sich! Er hat also diese Mentalität, diese Heißblütigkeit. Wenn die Leute sagen, er habe nicht die Mentalität, die Spieler zu führen und ein Sieger zu sein, dann liegen sie völlig falsch. Er hat sehr viel charakterliche Stärke. Und er ist auch ein Siegertyp. Er leidet, wenn er nicht siegt. Und ein Perfektionist ist er auch.

Für mich war es einfach Schicksal. Als er Trainer der zweiten Mannschaft wurde, wusste eigentlich jeder schon, dass der nächste Schritt die Ernennung zum Trainer der ersten Mannschaft sein würde. Die Frage war: hätte es einen Unterschied gemacht, noch zwei Monate oder noch zwei Jahre zu warten? Ich glaube nicht. Profifussball ist Profifussball. Für mich ist jetzt die richtige Zeit. Die Mannschaft brauchte ihn. Der Klub hat sich für eine Veränderung entschieden, weil eine Veränderung nötig war. Jetzt ist er da und bringt eine andere Einstellung ein. Man sieht den Fans die Zufriedenheit an. Die Fans lieben ihn. Das ist der erste Schritt. Nun kommt natürlich die Arbeit, die er als Trainer leistet. Er hat jedenfalls genug Erfahrung und Kenntnisse, um Real Madrid und die Spieler zu führen. Schließlich hat er selbst bei Real Madrid und allen anderen Teams, für die er gespielt hat, jede nur denkbare Situation erlebt.

Denken Sie, dass es auch für ihn die richtige Zeit ist?Eigentlich ist es doch nie die richtige Zeit, oder? Bei der Ernennung Guardiolas stellte man bei Barcelona die gleichen Fragen. Was ist mit seiner Erfahrung? Spieler wie Pep, der zehn, 15 Jahre auf höchstem Niveau gespielt hatte, die brauchen keine Trainererfahrung. Es geht nur darum, in der Umkleide mit all den Spielern, mit ihren Egos und Persönlichkeiten, richtig umzugehen. Zidane hat einen Vorteil: Es war sozusagen sein Schicksal. Der Druck ist nicht so groß, denn das Team hatte Probleme. Er kann es jetzt eigentlich nur besser machen.

Im Januar wurde in Zürich der FIFA Ballon d'Or vergeben.Wie lange werden Messi und Ronaldo wohl noch die beherrschenden Figuren bei der Verleihung sein?Das ist schwer zu sagen. Dieser Wettstreit zwischen Ronaldo ist Messi die beste fussballerische Rivalität aller Zeiten! Es ist einfach beeindruckend, wenn man beobachtet, wie sich diese beiden immer wieder gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln. Einfach unglaublich. Ich weiß nicht, wie lange das noch so weitergeht, aber ich hoffe, dass sie noch lange weitermachen. Ronaldo ist schon knapp über 30, aber ich weiß, dass er ein Kämpfer ist und Tag für Tag hart trainiert, um der Beste zu sein. Doch das Alter lässt sich nicht besiegen. Auch er muss wissen, dass seine Muskeln nicht mehr ganz wie früher sind. Es wird sehr interessant, ob ein anderer Spieler es schafft, die beiden unter Druck zu setzen, wie Neymar in diesem Jahr. Ich denke, dass es dazu kommen wird. Messi hat bestimmt noch einige Jahre ganz oben vor sich. Ronaldo hat mindestens noch zwei Jahre, sofern er bei Real Madrid bleibt und sich nicht noch für ein Experiment entscheidet. Dann kann auch er noch ganz oben bleiben.

Michel Salgado sprach im Namen von La Liga und dem U.S.-Klubfussball auf der Konferenz des Nationalen Verbandes der amerikanischen Fussballtrainer (National Soccer Coaches Association of America) 2016 in Baltimore mit FIFA.com.