Paul Kalkbrenner: "Lewandowski wird noch besser werden"

  • Exklusiv-Interview mit Paul Kalkbrenner, Star der elektronischen Musikszene

  • Großer Fan von Bayern München und dem deutschen Nationalteam

  • Für ihn ist Robert Lewandowski #TheBest

     

Auf seinen Reisen in alle Ecken und Enden der Welt eilt Paul Kalkbrenner sein Ruf als Fussballfan bereits voraus. "Wenn ich im Ausland auftrete, schenken mir die Initiatoren oftmals ein Trikot der Nummer zehn des jeweiligen Nationalteams", erklärt der erfolgreiche Produzent elektronischer Musik.

Seit seinen ersten Kompositionen Anfang der 1990er-Jahre hat sich der Deutsche zu einem Star der internationalen Technoszene entwickelt, um den sich renommierte Klubs und Festivals auf der ganzen Welt reißen. Dennoch findet er immer Zeit für seine große Leidenschaft, den Fussball.

Im Gespräch mit FIFA.com verrät der große Fan von Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft seine Favoriten für die The Best FIFA Football Awards™, blickt auf seine schönsten WM-Erinnerungen zurück und erklärt uns, warum Erling Haaland eines Tages der Beste sein wird und aus welchem Grund Zinédine Zidane in seinen Augen der beste Spieler aller Zeiten ist. 

Paul Kalkbrenner, welche Art Fussballfan sind Sie? 

Ich bin ein echter Fan. Mein Team ist Bayern München. Ich liebe die Champions League. Wir haben sechs Titel, und ich warte schon ungeduldig auf den Monat März, in dem es erst richtig losgeht. 

Wie ist das für Sie, wenn Sie an einem Abend auf der Bühne stehen müssen, an dem ein wichtiges Spiel stattfindet? 

Da ich meistens an den Wochenenden bzw. erst ab Mitternacht spiele, kollidiert das nicht mit den Spielen. Aber meine Agenten wissen, dass sie besser keine Termine für mich buchen sollten, wenn wichtige Spiele anstehen. Ich erinnere mich noch an die EURO 2016, bei der Deutschland im Viertelfinale gegen Italien angetreten ist. Man muss wissen, dass Deutschland Italien noch nie in einem Turnier geschlagen hatte, weder bei der EURO noch bei der WM. Die Partie ging in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen und ich sollte um 23.00 Uhr bei einem großen Festival auftreten. Das Elfmeterschießen nahm einfach kein Ende! Thomas Müller hat verschossen, Bastian Schweinsteiger hat verschossen … es war schrecklich. Und ich schaute mir das Ganze auf einem kleinen Monitor hinter der Bühne an und ging erst auf die Bühne, als es vorbei war! Ich hatte ein paar Minuten Verspätung, aber das hat sich gelohnt [lacht]. 

Was ging in Ihnen vor, als Robert Lewandowski letztes Jahr zum The Best – FIFA-Weltfussballer gekürt wurde? 

Das war hochverdient. Er ist ein echter Vorzeigeprofi! Er hat dieses Niveau mit 32 Jahren erlangt, in einem Alter, in dem Lionel Messi und Cristiano Ronaldo den Gipfel schon erreicht hatten. Ich glaube, dass Lewandowski noch besser werden und in den nächsten zwei oder drei Jahren noch einen Schritt weitergehen und noch mehr Tore schießen wird. 

Ist er auch dieses Jahr noch Ihr Favorit?  

Ja, absolut. Wissen Sie, in Deutschland haben wir alle gedacht, dass der Rekord von Gerd Müller von 40 Toren in einer Saison nicht zu knacken ist. Und Lewandowski hat es geschafft! Und ganz im Stil der Bayern, nämlich in der 90. Minute! [Lacht]

Welche anderen Spieler gefallen Ihnen besonders? 

Sobald ein Spieler auch nur ein paar Heldentaten für Bayern vollbringt, hat er einen Platz in meinem Herzen. Andererseits bin ich ein so großer Fan des Klubs, dass meine Gefühle abflauen, sobald ein Spieler nicht mehr spielt oder den Verein wechselt.

Welchen Spieler würden Sie gern im Trikot des FC Bayern spielen sehen?  

Ich habe Dortmund noch nie um Spieler beneidet, auch nicht, wenn der Klub uns im Rennen um Trophäen geschlagen hat. Aber Erling Haaland würde ich liebend gern bei uns sehen, obwohl ich glaube, dass der Klub ihn sich nicht leisten kann. Ich glaube, dass Haaland eines Tages der beste Spieler der Welt sein wird. Er ist nicht nur eine Tormaschine, sondern außerdem ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler mit einer sehr kollektiven Dynamik auf dem Spielfeld. Darin unterscheidet er sich von allen Spielern, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, einschließlich [Kylian] Mbappé, [Cristiano] Ronaldo oder [Lionel] Messi.  

Wer ist für Sie der beste Spieler aller Zeiten? 

Das ist eine sehr schwierige Frage. Was den Stil angeht, würde ich Zinédine Zidane sagen. Sein Auftritt im Spiel gegen Brasilien im Viertelfinale der WM 2006 war ein wahres Meisterstück. Er hat nie um Aufmerksamkeit heischende Gesten gemacht, wie man sie manchmal bei Ronaldo sieht. All seine Aktionen standen im Dienst des Spiels. Natürlich kann man sagen, dass Pelé, [Diego] Maradona oder auch Michel Platini der Beste war, aber ich persönlich fand Zidanes Stil super. Auch seine Bilanz als Trainer ist beeindruckend. Er hat auf Anhieb drei Champions-League-Titel geholt. Wesentlich renommierteren Trainern wie Pep Guardiola und José Mourinho ist das nie gelungen. 

Wer ist Ihr Favorit für die Auszeichnung The Best – FIFA-Welttrainer – Männer

Auf jeden Fall Thomas Tuchel. Was er mit Chelsea erreicht hat, mit so vielen jungen Spielern im Team, ist schon ziemlich fantastisch. 

Und wer sollte Ihrer Meinung nach The Best – FIFA-Welttorhüter werden?

Solange er spielt wird Manuel Neuer immer der beste Torwart der Welt sein. In meinen Augen ist er sogar der Beste aller Zeiten. Er ist in Eins-zu-eins-Situationen mit den Stürmern der Intelligenteste. Ich erinnere mich an sein Duell mit Gonzalo Higuain im Finale der WM 2014. Higuain musste nur noch Neuer überwinden, und er wurde so nervös, weil es Neuer war, dass er das Tor komplett verfehlte. Er ist so gut und hat eine so starke Präsenz, dass die Stürmer am Tor vorbeischießen. 

An welche Weltmeisterschaft erinnern Sie sich am liebsten? 

Ich würde sagen, an meine erste, die WM 1986. Ich war fasziniert von all den Mannschaften, all den Flaggen ... Ich glaube, damals hätte jede Mannschaft gewonnen, wenn sie Maradona in ihren Reihen gehabt hätte. Da ich aus der DDR komme, war es für uns damals unmöglich, die BRD zu unterstützen. Im Finale war ich für Argentinien. Vier Jahre später sah die Sache schon anders aus, auch wenn Deutschland noch nicht wiedervereinigt war, aber es war unglaublich, die gleichen Teams im Finale zu sehen, allerdings mit einem anderen Ergebnis. Das ist auf jeden Fall meine Lieblingsperiode. Später habe ich angefangen, die Welt mit anderen Augen zu sehen, weil ich gereist bin, aber als kleiner Junge habe ich durch den Fussball viel über die Welt erfahren. Ich habe die Jahrbücher gelesen und kannte alle Statistiken aller Teams auswendig. Mein Vater widmet sich wieder verstärkt dem Fussball, und ich freue mich schon darauf, älter zu werden und viel mehr Zeit dafür zu haben. 

Was denken Sie über die nächste FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, die in knapp einem Jahr beginnt? 

Ich habe ein gutes Gefühl für Deutschland, wegen Hans-Dieter Flick und allem, was er mit Bayern erreicht hat, und auch wegen der Rolle, die er in unseren erfolgreichen Jahren an der Seite von Joachim Löw gespielt hat. Wir werden sehen, ob sich Italien oder Portugal qualifiziert, aber ich kann mir gut vorstellen, dass Deutschland, Frankreich oder England weit kommen – eher als die südamerikanischen Teams. 

Paul Kalkbrenner on stage