María Paula Salas: "Mindestens einmal am Tag denke ich an die WM"

13. Sept. 2021
  • Costa Rica ist Ausrichter der FIFA U-20 Frauen-Weltmeisterschaft™

  • Die 19-jährige Angreiferin möchte ihren Traum von 2014 erfüllen

  • Ihre Geschichte ist beispielhaft für die Aktion #WeBelong der CONCACAF

Das erste Mal, als María Paula Salas davon träumte, ihr Land vertreten zu können, war sie gerade erst 11 Jahre alt: Sie wollte an einem Probetraining für die Auswahl Costa Ricas teilnehmen, das Gastgeber der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2014 sein würde. Dieser Traum sollte jedoch rasch platzen. "Ich war gerade erst mit meinem Vater dort eingetroffen, als der Trainer mich sah und sofort sagte, dass er mich gar nicht teilnehmen lassen würde, denn ich sei zu klein", erzählte die heute 19-jährige Angreiferin FIFA.com. "Ich erinnere mich daran, dass ich die WM-Spiele sah und weinen musste. Ich wollte doch nur Fussball spielen." Ihr Vater sollte sie jedoch trösten. "Ich habe ihn gefragt, ob ich nochmal eine Chance bekommen würde, und er sagte: 'Ja, es wird noch mehr Möglichkeiten geben.' Und hier bin ich!", merkt Salas lächelnd an, die mittlerweile sowohl in der U-20-Auswahl wie auch im A-Nationalteam Costa Ricas spielt.

HOUSTON, TEXAS - JANUARY 28: Yenith Bailey #1 of Panama keeps Maria Salas #17 of Costa Rica from scoring during the first half as Hilary Jaen #4 of Panama looks on during a Group A CONCACAF Women's Olympic Qualifying match at BBVA Compass Stadium on January 28, 2020 in Houston, Texas. (Photo by Bob Levey/Getty Images)

Die zweite Chance ließ nicht lange auf sich warten. Zwei Monate später nahm sie an einem Probetraining für die U-17-Auswahl teil. Damit "begann ein wunderbarer Prozess". Man kann sich vorstellen, wie sie sich fühlte, als bekanntgegeben wurde, dass Costa Rica Gastgeber der FIFA U-20-Frauen-WM 2020TM sein würde. "Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber eine WM zu Hause zu spielen, ist alles, was sich eine Fussballerin wünschen kann. Deswegen fiel es so schwer, zu akzeptieren, dass die WM wegen der Pandemie abgesagt wurde. Als man dann die Ausrichtung für 2022 bestätigte, empfand ich eine Mischung aus Glück und Traurigkeit." Warum? "Glück, weil das Turnier endlich hier stattfinden würde und ich hoffte, zum Einsatz zu kommen. Traurigkeit, weil eine Reihe der Mädchen, mit denen ich seit der U-17-Auswahl zusammen war und ein tolles Team bildete, altersbedingt nicht mehr teilnehmen könnten." Jetzt, wo alles feststeht, spürt sie die Anspannung, räumt Salas ein. "Jeden Tag, mindestens einmal, denke ich an die WM. Seit Jahren schon versuche ich erfolglos, mich für eine zu qualifizieren, das ist schon schwer. Manchmal träume ich sogar davon, dass ich gerade dort spiele."

Costa Rica forward Maria Paula Salas

Unterstützung der Familie und Vorbild María Paula hat sich schon sehr früh für den Fussball und dessen Welt entschieden. "Es gibt Fotos von mir als Dreijährige, aber damals gab es keine Mädchenmannschaft. Mit fünf Jahren fing ich an, mit den Jungs zu spielen. Was danach möglich war, habe ich meinen Eltern, meinen Paten und den Großeltern zu verdanken." Eine Anekdote ist bezeichnend. "Eines Tages hat eine Lehrerin meiner Mutter gesagt, dass ich nicht mehr spielen könne. Denn, wenn ich die Beine hob, um zu schießen, 'würde man alles sehen'. Außerdem könne ich mich verletzen. 'Lassen Sie sie spielen und wenn etwas passiert, geben Sie mir Bescheid', antwortete meine Mutter." Salas fährt fort: "Viele Mädchen, die damals mit mir spielten, erfuhren keine Unterstützung durch ihre Familie. Wenn du ein Mädchen bist, aber deine Eltern dich nicht zu den Spielen bringen und dir auch kein Geld geben, um dorthin zu fahren, und dich auch nicht verteidigen, dann ist es sehr schwer. Mittlerweile haben sich die Dinge ein wenig geändert. Es gibt sogar Fussballschulen für Mädchen." Jetzt versteht man, warum Cristiano Ronaldo das erste Vorbild für diese Strafraumspielerin war, die stark im Kopfball ist und einen guten Torriecher hat. "Wir haben eine ähnliche Spielweise. Als ich dann älter wurde, waren meine Vorbilder Alex Morgan und Shirley Cruz, die ich als Spielerin und auch als Mensch, als ich mit ihr zusammenspielen durfte, bewundere."

Salas debütierte in der ersten Liga mit 14 Jahren für Saprissa und seit 2019 spielt sie für Liga Deportiva Alajuelense. Es gab die Möglichkeit, nach Frankreich und Spanien zu gehen, aber aufgrund der COVID-Pandemie und einer Schulterverletzung, die mittlerweile operativ behoben wurde, musste sie diese Pläne erst einmal auf Eis legen. "Seit einem Monat darf ich wieder Sport treiben und jetzt möchte ich mich auf meinen Verein und die Auswahl, die bei der WM spielen wird, konzentrieren", versichert die Angreiferin, die es im Nationalteam Costa Ricas in neun Partien auf zwei Tore gebracht hat, eines davon bei den Panamerikanischen Spielen 2019, wo sie mit ihrem Team die Bronzemedaille gewann. Dann möchte sie aber auch Vorbild für die Mädchen sein, die wie sie es lieben, gegen den Ball zu treten. "Sowohl wir, die wir es hierher geschafft haben, als auch andere, die noch draußen bleiben müssen, wünschen uns, dass mehr Mädchen es als normal empfinden, Fussball spielen zu können. Sie möchten wie wir sein und sie sollen nicht glauben, dass das nur etwas für Männer ist. Wir alle denken weiter als nur an unsere unmittelbare Zukunft." Der Weg der CONCACAF nach Costa Rica 2022 Salas und ihre Geschichte könnten Sinnbild für #WeBelong sein, die Kampagne, die die CONCACAF im August startete, um die Protagonisten des Frauenfussballs aufzufordern, ihre Geschichten des Kampfes, des Triumphs und der Inspiration zu teilen. "Die Botschaft von We Belong geht über den Fussball hinaus. Ziel dieser Kampagne ist es, Mädchen zu stärken, kulturelle Normen zu ändern und Chancen für Frauen und Mädchen zu schaffen", erzählt Karina Le Blanc, ehemalige Torhüterin Kanadas und Leiterin der CONCACAF-Abteilung für den Frauenfussball.

Die Kampagne bildet den Rahmen der ersten Phase der CONCACAF U-20-Frauen-Meisterschaft vom 13. bis zum 17. September in Curaçao. Dort treten 13 Teams in vier Gruppen gegeneinander an. Der Sieger jeder Gruppe erreicht dann die Phase der direkten Qualifikation.

Gruppe A: Bermuda, San Vicente/Grenadinen, Dominica und Amerikanische Jungferninseln Gruppe B: Cayman-Inseln, Anguilla und Martinica Gruppe C: St. Lucia, Antigua und Barbuda, Curaçao Gruppe D: Granada, Surinam, Belize Weitere Phasen der CONCACAF U-20-Frauen-Meisterschaft, bei der drei Tickets für Costa Rica 2022 zu lösen sind: • Gruppenphase (im ersten Quartal 2022): 16 Teams spielen in vier Gruppen; die ersten drei erreichen die nächste Phase (insgesamt 12 Teams) • Phasen der direkten Qualifikation (erstes Quartal 2022): 16 Teams, die im einfachen K.o.-Modus spielen (Achtel-, Viertel- und Halbfinale, Finale). Meister, Vizemeister und das drittplatzierte Team qualifizieren sich für die FIFA U-20 Frauen-Weltmeisterschaft™