Marcus Thuram auf den Spuren seines Vaters

  • Marcus Thuram wurde erstmals in die französische Nationalmannschaft berufen

  • Als sein Vater Lilian Weltmeister wurde, war Marcus noch kein Jahr alt

  • Der junge Franzose ist Top-Stürmer bei Borussia Mönchengladbach

Pressekonferenz von Didier Deschamps. Wie gewohnt benennt Frankreichs Nationaltrainer sein Aufgebot: Hugo Lloris, Raphaël Varane, Paul Pogba, Antoine Griezmann, Olivier Giroud… bis auf einmal "Marcus Thuram" durch den Raum schallt. Während der Nachname im Land des amtierenden Weltmeisters wohlbekannt ist, sorgt der Vorname kurz für Verwunderung. Marcus Thuram, Sohn von Lilian Thuram, wurde erstmals in den Kader der Bleus berufen. Wenngleich Marcus und seinen Vater, der 1998 auf heimischem Boden Weltmeister wurde, viele Dinge verbinden, bestehen auch große Unterschiede zwischen den beiden. FIFA.com stellt Frankreichs Debütanten näher vor.

Die Gemeinsamkeiten

Ein wohlbekannter Familienname

Familie Thuram könnte fast eine eigene Fussballmannschaft gründen, hat sie doch für jeden Mannschaftsteil erfolgreiche Profis hervorgebracht. Marcus' Cousin Yohann stand unter anderem für ES Troyes, Standard Lüttich und AC Le Havre zwischen den Pfosten. Vater Lilian war ein erfolgreicher Verteidiger und ist mit 142 Einsätzen noch heute Rekordnationalspieler der Équipe Tricolore. Im Mittelfeld spielt Marcus' Bruder Khéphren aktuell bei OGC Nizza. Vorne im Angriff sind derzeit alle Augen auf Marcus selbst gerichtet, der bei Borussia Mönchengladbach für Furore sorgt. Bei diesem Familienstammbaum ist es gar nicht so einfach, sich einen (Vor-)Namen zu machen, doch Marcus ist auf dem besten Weg, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Marcus Thuram with the French jersey

Debüt für Frankreich in ähnlichem Alter

Lilian debütierte im Alter von 22 Jahren, 7 Monaten und 16 Tagen in den Reihen der Bleus. Sollte Marcus am Mittwoch gegen Finnland auflaufen, wäre er bei seinem ersten A-Länderspiel für Frankreich gut ein halbes Jahr älter, nämlich 23 Jahre, 3 Monate und 5 Tage alt. Man kann sich gut vorstellen, dass Marcus von einer ähnlichen Karriere mit Trophäen und Länderspieleinsätzen wie sein Vater träumt.

Europameister

Das Endspiel der UEFA Euro 2000, als Lilian Thuram mit seinen Mitspielern den Titelgewinn feierte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Bis in die Nachspielzeit hinein führte Final-Gegner Italien mit 1:0, ehe Sylvain Wiltord nach 90+4 Minuten den Spielstand egalisierte und David Trezeguets Golden Goal in der Verlängerung Frankreich schließlich den Titel bescherte. Auch Marcus darf sich bereits Europameister nennen, wenngleich sein Erfolg auf etwas kleinerer Bühne errungen wurde: Bei der U-19-Europameisterschaft 2016 hieß der Titelträger ebenfalls Frankreich. Dabei setzte sich die Mannschaft um Kylian Mbappé, Lucas Tousart, Jean-Kévin Augustin, Amine Harit und eben Marcus Thuram im Finale gegen – und hier lässt sich wieder der Bogen zu seinem Vater schlagen – Italien durch.

Er hat die Fähigkeit, mit seiner großen Schlagkraft für den Unterschied zu sorgen. Er trifft und legt Tore auf. In den wichtigen Spielen versteckt er sich nicht, sondern zeigt Präsenz. Er ist der Sohn eines berühmten Ex-Spielers, was schon etwas Beso...

Didier Deschamps, Trainer der französischen Nationalmannschaft und ehemaliger Mitspieler von Lilian Thuram

Engagement über den Fussball hinaus

Lilian Thuram war ein Spieler, der sich immer auch abseits des Platzes engagiert hat. So war er beispielsweise UNICEF-Botschafter und Pate zahlreicher Organisationen, die sich dem Kampf gegen Rassismus verschrieben haben. Er hat sich gegen Homophobie eingesetzt und an zahlreichen Veranstaltungen zur Förderung von Diversität und Vielfalt teilgenommen. Sein Sohn Marcus geht den gleichen Weg. So gehörte er zu den ersten Spielern, die im vergangenen Mai in Erinnerung an George Floyd mit einem Kniefall ihre Solidarität zum Ausdruck brachten.

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Die Unterschiede

Eine andere Position

Der wohl größte Unterschied zwischen Lilian und Marcus Thuram ist ihre Position auf dem Spielfeld. Vater Lilian war vorrangig fürs Toreverhindern zuständig. Spielte er zu Beginn seiner Karriere noch als Rechtsverteidiger, rückte er später in seiner Laufbahn in die Innenverteidigung. In seinen unzähligen Spielen erzielte Lilian gerade einmal 17 Tore – 15 für die Klubs, bei denen er angestellt war, und zwei für die Nationalmannschaft. Seine beiden Tore im Dress der Équipe Tricolore entstammen einer einzigen Partie: dem Halbfinale bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1998 gegen Kroatien. Sein Filius hingegen ist fürs Toreschießen verantwortlich. Seine Statistik weist bereits 35 Treffer auf Klubebene und neun Tore für die verschiedenen französischen Nachwuchs-Nationalteams auf. Seit Beginn der aktuellen Saison zeigt er herausragende Leistungen für Borussia Mönchengladbach, nicht nur wegen seines Doppelpacks in der UEFA Champions League gegen Real Madrid.

Unterschiedliche Klubs

In der Geschichte des Fussballs ist es mehrfach vorgekommen, dass Spieler aus einer Familie ganz ähnliche Wege einschlagen. Beispielsweise sind sowohl Cesare als auch Paolo Maldini zu wahren Legenden des AC Mailand aufgestiegen. Jordi Cruyff wandelte auf den Spuren seines Vaters Johan beim FC Barcelona. Abedi Pelé und seine beiden Söhne André und Jordan Ayew erlebten ihre Sternstunden bei Olympique Marseille. Bei Familie Thuram entwickelten sich die Karrierepfade unterschiedlicher: Während Vater und Sohn ihre Laufbahn jeweils in Frankreich begannen, zog es Lilian später nach Italien (zu Parma und Juventus Turin) und Spanien (zum FC Barcelona), während Marcus den Schritt nach Deutschland zu Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga ging – eine Liga, die sein Vater nie kennengelernt hat.

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Lilian Thuram zwischen seinen beiden Söhnen Khéphren und Marcus im August 2011

Hätten Sie’s gewusst?

  • Lilian Thuram benannte seinen Sohn Marcus nach Marcus Garvey, einem jamaikanischen Aktivisten und Vorreiter der panafrikanischen Bewegung

  • Sein Vater managt die Karriere von Marcus

  • Der Brasilianer Ronaldo war der am meisten gefürchtete Gegenspieler von Lilian und ist gleichzeitig das Vorbild von Marcus