Keine Barrieren für Englands TV-Star

Jeder, der den FIFA-TV-Spot "No Barriers" gesehen hat, kennt die positive Botschaft, die er vermittelt. Fünf Mädchen setzen gemeinsam ihre Kraft und Fähigkeiten ein, um die Mauer der Vorurteile zu durchbrechen, und finden heraus, dass dahinter eine neue Welt voller Chancen auf sie wartet.

Doch auch wenn diese Botschaft eine große Inspiration ist und bleibt, besteht immer die Gefahr, dass so gut gemeinte Bilder und Slogans nicht über den Symbolcharakter hinauskommen. In diesem Fall verhält es sich jedoch anders. Taylor Hinds, das Mädchen, das den Ball mit einem kraftvollen Linksschuss durch die Mauer jagt, hat nämlich nicht nur eine Rolle gespielt. Nachdem sie im Video ihren großen Traum realisiert und den Durchbruch zu einer WM geschafft hatte, hat sie in den nachfolgenden beiden Jahren dafür gesorgt, dass dieser Traum auch im echten Leben für sie Realität wird. Und so kommt es, dass unser TV-Star jetzt bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Jordanien glänzt.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich es einmal so weit bringen und für mein Land eine Weltmeisterschaft bestreiten würde", erklärt sie im Gespräch mit FIFA.com. "Man sieht sich selbst einfach als ganz normales Mädchen, das zur Schule geht und sich mit Freunden trifft. Es ist einfach unglaublich, aber das zeigt, was mit harter Arbeit möglich ist."

Das ist natürlich auch die Botschaft, die mit der Kampagne vermittelt werden soll, in der sie eine Hauptrolle gespielt hat. In Hinds' Fall trifft dies ganz besonders zu, denn als sie den Spot drehte, gehörte sie noch nicht zum englischen Nationalteam. "Sie gehört zu unseren Spätentwicklerinnen und war auf der U-15-Ebene noch nicht wirklich dabei", erklärt John Griffiths, der Trainer der englischen Auswahl. "Doch dann wurde sie bei einem Spiel gegen Spanien eingesetzt und hat für Furore gesorgt. Seitdem ist sie ein absoluter Star."

Nach Hinds' jüngsten Fortschritten steht sie nun bei einem Turnier auf dem Platz, bei dem der Sport "No Barriers" regelmäßig auf den Großbildschirmen der Stadien abgespielt wird. "Ich habe ihn beim Nigeria-Spiel gesehen", meint sie lächelnd. "Ich habe meinen Vater in der Menge gesucht, und er hat auf die Bildschirme gedeutet. Da habe ich es dann gesehen."

"Ich glaube, das Video ist eine Inspiration, und zwar nicht nur für Mädchen, sondern für jeden, der Fussball spielen möchte und vielleicht das Gefühl hat, dass ihn etwas zurückhält. Ich war stolz, dabei sein zu können. Eine meiner Freundinnen hat mich damals ins Spiel gebracht. Ihre Mutter hatte etwas damit zu tun, also bin ich zu einem Casting nach London gefahren. Dort waren etwa hundert Mädchen, und ich bin mit einigen Freundinnen hingefahren. Am Ende hatte ich das Glück, zu den fünf Auserwählten zu gehören."

"Ich wusste nicht einmal, dass es mein Schuss war, der die Mauer durchbrechen würde", fügt sie hinzu. "Bei der Aufnahme ist alles so anders als im fertigen Spot. Ich war in einem Trainingslager, als ich ihn zum ersten Mal im Fernsehen sah. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie merkwürdig das war. Aber es war auch schön, und ich war ziemlich stolz."

Stolz empfindet Hinds auch, wenn sie den bisherigen Turnierauftritt Englands noch einmal Revue passieren lässt. Nach einem hart erkämpften torlosen Remis gegen Nigeria und einem an Spannung kaum zu überbietenden Sechs-Tore-Knüller gegen die DVR Korea, bei dem den Engländerinnen in der 94. Minute noch der Ausgleich gelang, sind sie noch immer ungeschlagen. In ihrem letzten Spiel der Gruppe B treffen sie nun auf Brasilien, und dem Sieger winkt der Einzug in die nächste Runde.

"Ich finde, dass wir gegen Nordkorea einen brillanten Auftritt hingelegt haben", meint sie begeistert. "Sie sind eine wirklich starke Mannschaft und haben dieses Turnier schon einmal gewonnen. Aber wir haben guten Fussball geboten und das Unentschieden wirklich verdient. Außerdem haben wir mit diesem späten Treffer allen gezeigt, dass wir bis zum Ende kämpfen."

"Gegen Nigeria sah das anders aus, aber ich finde trotzdem, dass wir unsere Sache gut gemacht haben. Wir haben gespürt, was es aufgrund der Hitze für ein Unterschied ist, ob man um vier Uhr oder um sieben spielt. Das hat Auswirkungen auf das Spiel. Aber wir haben uns gut darauf eingestellt und wissen jetzt, was uns erwartet. Daher gibt es gegen Brasilien keine Ausreden. Das ist ein Spiel, bei dem wir bereit sein müssen, alles zu geben, um zu gewinnen."

Keine Ausreden und keine Barrieren. Hinds ist ein leuchtendes Vorbild für Mädchen auf der ganzen Welt – auf dem Bildschirm und auf dem Platz.