Kaufman: "Ich bin nicht nur in meiner Führungsrolle gewachsen"

23. Apr. 2021
  • Seit 2014 spielt Samantha Kaufman für Guam

  • Die Guam Masakada durchleben seit 2018 eine Durststrecke

  • "Ich wünschte, ich könnte öfter nach Guam zurückkehren und helfen"

Schon mal von Guam gehört? Der größten und südlichsten Insel des Marianen-Archipels im westpazifischen Ozean und Außengebiet der Vereinigten Staaten? Wussten Sie, dass Guam über eine eigene Frauen-Nationalmannschaft verfügt, die 1997 erstmals an der AFC Asienmeisterschaft der Frauen teilgenommen hat? Nein?

Hier kommt die Geschichte von Samantha Kaufman...

Bereits mit drei Jahren begann Kaufman mit dem Fussball spielen und erkannte schnell, wie viel ihr dieser Sport bedeutet. "Als ich neun oder zehn Jahre alt war und anfing, in Vereinsmannschaften zu spielen, wusste ich wirklich, dass es meine Leidenschaft war und dass es etwas ist, das mich weiterbringen würde. Ich habe sogar für das olympische Entwicklungsprogramm gespielt, das ODP genannt wird. In den Vereinigten Staaten ist es im Grunde ein Weg zur Nationalmannschaft", erzählt Kaufman im Interview mit FIFA.com. "Ich hatte das Glück, ein Vollstipendium für die Universität von Arizona zu bekommen, wo ich vier Jahre lang gespielt habe. In meinem letzten Jahr war ich Kapitän des Teams. Außerdem war ich Präsidentin der Studentenvertretung der Sportabteilung."

Der Sprung in den Profifussball blieb ihr allerdings verwehrt – aus einem der wohl schönsten Gründe. Im Alter von 23 Jahren wurde Kaufman, die für den FC Long Beach in Kalifornien spielt, Mutter eines Sohnes. "Ich denke, wenn ich ihn nicht bekommen und als Lehrerin gearbeitet hätte, hätte ich professionell gespielt, aber so hatte ich das Beste aus beiden Welten. Ich war in der Lage, zu spielen. In den Vereinigten Staaten haben wir Semi-Profi-Teams, und ich trat einem bei, nachdem ich meinen Sohn bekommen hatte. Ich bin beigetreten, weil ich unbedingt in der Nationalmannschaft von Guam spielen wollte. Ich hatte gehofft, dass ich wieder in Form komme und etwas beitragen kann."

Doch, wie kam es eigentlich dazu? "Ich wusste nicht einmal, dass ich für Guam spielberechtigt war. Dann fand ich heraus, dass ich es wegen meiner Großeltern war. Sie sind beide auf der Insel geboren und aufgewachsen. Ich wusste nie, dass ich diese Chance bekommen würde, und so war es ein wahrer Segen, als ich sie bekam", erzählt die Verteidigerin. "Meine Tante ist in Guam aufgewachsen und hat mich immer ermutigt: Geh in die Guam-Nationalmannschaft, du wärst großartig. Aber ich war im Visier der USA. Warum sollte ich für Guam spielen, wenn ich potenziell die Möglichkeit hätte, für die Vereinigten Staaten zu spielen? Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich eine gute Spielerin bin, aber nicht großartig und dass ich es nicht ins US-Team schaffen werde". Ehrliche Worte der heute 33-Jährigen. Ein Freund aus Collegezeiten setzte sich für Kaufman ein und machte die Trainer auf sie aufmerksam. Nach einem Probetraining in Ventura, dem ersten auf US-amerikanischem Boden, bekam sie ihr Aufgebot und gab 2014 ihr Debüt.

Seit ihrem ersten Auftritt für Guam hat sich Kaufman nicht nur als Spielerin weiterentwickelt, auch als Persönlichkeit ist sie gewachsen. "Als ich anfing, für Guam zu spielen, habe ich schnell gemerkt, dass ich eine der ältesten Spielerinnen war. Das bedeutete aber nicht, dass ich nicht mit den anderen mithalten konnte, im Gegenteil. Man könnte sagen, dass sie versucht haben, mit mir mitzuhalten", so die sympathische Kaufman lachend. "Ich war schon immer eine Anführerin. Ich war immer Kapitän in all meinen Teams. Ich habe schnell gemerkt, dass ich fast so etwas wie ein Mama-Kapitän sein muss." Kaufman ist Vorbild und Ratgeberin für die Spielerinnen, die auf Guam leben und den Sprung in die USA wagen wollen.

"Meine Liebe zu Guam wuchs und meine Art, wie ich über Guam spreche, hat sich wirklich verändert. Ich fühlte mich viel mehr mit Guam verbunden und war stolz darauf, dass ich die Insel repräsentieren konnte - vor allem für meine Großmutter, die noch am Leben ist. Ich bin nicht nur in meiner Führungsrolle gewachsen, sondern auch in meiner persönlichen kulturellen Sichtweise. Ich fühlte mich mehr verbunden. Ich weiß mehr über Guam und die Mädchen konnten mir mehr über meine Kultur zeigen, die ich nicht kannte. Das ist eines der Dinge, die ich immer mitnehmen werde, diese Verbindung zu bekommen."

Es gibt viele Spielerinnen, die auch in anderen Sportarten sehr gut sind und auf nationaler Ebene in anderen Disziplinen antreten. Wir haben eine Handvoll Frauen, die auch in der Rugby-Nationalmannschaft von Guam spielen. Das ist etwas, was man in de...

Samantha Kaufman

Eine Verbindung, die eine lange Durststrecke zu überwinden hat. Seit 2018 haben die Guam Masakada keinen Wettbewerb mehr bestritten und streben nun an, in diesem Jahr an der Qualifikationsrunde für die Asienmeisterschaft der Frauen teilzunehmen, ebenso wie an der Vorrunde der Ostasienmeisterschaft der Frauen.

"Ich will ehrlich sein, ich weiß nicht, wer jetzt alles Teil des Teams ist, weil es schon lange her ist. Es gab einige Spielerinnen, die rausgefallen sind, weil sie sich richtige Jobs suchen mussten. Es gibt eine Spielerin, ihr Name ist Anjelica Perez. Sie ist wahrscheinlich eine der einflussreichsten für die Nationalmannschaft. Sie ist eine unserer Jugendtrainerinnen auf Nationalmannschaftsebene und jemand, der versucht, alle zu motivieren. Sie macht auch eine Menge auf Instagram. Aber sie hat noch einen anderen Job. Ich denke, das ist der schwierigste Teil“, fasst Kaufman zusammen.

"Ich denke, dass die letzten zwei Jahre schwierig waren, weil es nicht so viel Kommunikation gab. Wir wurden vor Herausforderungen gestellt, mit denen wir nichts anfangen konnten, und wir hätten es gerne getan, aber es war einfach schwer zu dieser Zeit. Ich habe immer gehofft, dass ich eine weitere Chance bekomme, dass ich wieder spielen kann. Ich habe die Hoffnung, dass im September etwas passiert, dass wir spielen können."

Wir drücken ganz fest die Daumen!