FIFA zertifiziert VAR-Systeme gemäß neuem globalem Qualitätsstandard

Die FIFA führte vom 16. bis zum 18. August 2021 in Stockholm (Schweden) eine Testveranstaltung des FIFA-Qualitätsprogramms für VAR-Systemanbieter durch, die ihre Systeme zertifizierten lassen möchten. Anbieter aus Europa und den USA waren mit von der Partie. Nach der erfolgreichen Premiere bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ und der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ hat sich der Einsatz von Video-Schiedsrichterassistenten (VAR) rasant verbreitet. Mehr als 100 Wettbewerbe nutzen die Technologie mittlerweile, um ihren Schiedsrichtern ein Hilfsmittel bei möglicherweise spielentscheidenden Situationen zur Verfügung zu stellen. Mit der Zertifizierung gemäß dem neuen globalen Qualitätsstandard des FIFA-Qualitätsprogramms bietet die FIFA den Wettbewerbsorganisatoren weitere Richtlinien zur technischen Qualität verschiedener VAR-Systeme.

Technische Beurteilung von VAR-Systemen

Der Einsatz von VAR-Technologie in Spielen erfordert noch immer die Einrichtung zahlreicher Computer, Server, Bildschirme und Kabel. Während kleinere Systeme entwickelt und erste Tests mit VAR-light-Systemen durchgeführt werden, konzentrieren sich die Tests des FIFA-Qualitätsprogramms auf die Interaktion der gesamten Einrichtung und der Leistung des Systems in drei Hauptbereichen: Verzögerung, Synchronizität und Videoqualität.

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Verzögerung

Eines der größten Risiken bei VAR-Systemen sind verzögerte Videosignale, die den VAR daran hindern, rechtzeitig einzuschreiten. Aus diesem Grund werden verschiedene Verzögerungsmessungen durchgeführt. Diese kontrollieren, ob die Anbieter das Übertragungssignal mit geringer oder keiner Verzögerung bereitstellen und den Spieloffiziellen mit drei Sekunden Verzögerung eine Videoüberprüfungsansicht liefern können. All diese Tests werden mit einem blitzenden Stroboskoplicht durchgeführt, damit der Zeitunterschied zwischen dem Ereignis und der Übertragung auf den Bildschirm genau gemessen werden kann.

Synchronizität

VAR-Anbieter müssen garantieren können, dass die Kamerasignale für den VAR synchron sind. Dies ist besonders wichtig, wenn Perspektiven aus mehreren Kamerawinkeln nötig sind, z. B. bei Abseitssituationen, wo die Ballabgabe und die mögliche Abseitsposition häufig anhand von zwei verschiedenen Kamerasignalen beurteilt werden können. Fehlende Synchronizität kann zu Fehlentscheidungen führen.

Anhand der gleichen Testeinstellung mit dem Stroboskop und wiederholten Blitzen überprüft dieser Test, ob die Blitze auf denselben Bildern aller Kamerasignale der VAR-Systeme erscheinen.

Videoqualität

Der letzte Test kontrolliert, ob die Qualität der für den VAR bestimmten Bilder weiterhin gegeben ist, wenn diese ans VAR-System übermittelt und dann abgespielt werden. Wenn dies der Fall ist, haben die Videospieloffiziellen die bestmöglichen Voraussetzungen, richtig zu entscheiden, und sind nicht auf minderwertige (komprimierte) Bilder angewiesen. Da Fussballspiele weltweit in verschiedenen Videoformaten produziert werden, müssen VAR-Systeme all diese Signale verarbeiten können und den VAR eine gleichbleibende hochwertige Videoqualität bieten.

Anhand der Integration von zwei verschiedenen Videoformaten (interlaced und progressiv) in die VAR-Systeme misst dieser Test die Qualität der Videos, die wiedergegeben werden. Mit der Nutzung des bewährten Standards „Video Multimethod Assessment Fusion“ (VMAF), eines von Netflix entwickelten Wahrnehmungsalgorithmus, kann die Qualität der Videos geprüft und als Prozentsatz des nativen Videos bewertet werden.

FIFA-Zertifizierung ab Juli 2022 und Übergangsfrist

Nach der Zertifizierung von VAR-Systemen gemäß dem neuen globalen Qualitätsstandard sind ab Juli 2022 nur noch FIFA-zertifizierte Systeme zugelassen. Ab dann wird die FIFA wird im Rahmen des Unterstützungs- und Bewilligungsprogramms zur VAR-Einführung (IAAP) für Wettbewerbe, die zuvor noch keine VAR eingesetzt haben, die Einhaltung dieser Vorgabe überprüfen. Für Organisatoren von Wettbewerben, für die der Einsatz von VAR-Systemen bereits bewilligt wurde (oder noch vor Juli 2022 bewilligt wird), gilt eine Übergangsfrist für die Umstellung auf die neue zwingende Zertifizierung. Die entsprechenden Systeme können daher unter der bestehenden Vereinbarung weiterhin genutzt werden. Bei einer der nächsten FIFA-Testveranstaltungen müssen die Anbieter ihre Technologie aber zertifizieren lassen. Damit noch weitere VAR-Anbieter ihre Systeme zertifizieren lassen können, wird die FIFA Anfang 2022 die nächste Testveranstaltung organisieren. Anbieter können bereits jetzt mit einer E-Mail an quality@fifa.org ihr Interesse anmelden oder weitere Informationen zum Qualitätsprogramm anfordern.