Ein Jahrhundert zwischen zwei neuseeländischen Meilensteinen

  • Neuseeland feierte am Wochenende zwei wichtige Meilensteine

  • Dazwischen liegen fast genau 100 Jahre

  • Wellington Phoenix wird das erste professionelle Frauenteam des Landes

"Es scheint sicher, dass der Frauenfussball gekommen ist, um zu bleiben." Dies schrieb die in Christchurch erscheinende Zeitung "The Press" im Jahre 1921 in ihrem Bericht über das erste anerkannte Frauenfussballspiel zwischen Provinzmannschaften in Neuseeland. Das Spiel zwischen Wellington und Christchurch wurde am 24. September ausgetragen – kurioserweise am gleichen Tag wie das erste offizielle Frauenfussballspiel Australiens, Gastgeber der FIFA Frauen-WM 2023. Einhundert Jahre später trafen sich Spielerinnen beider Regionen am Samstag im English Park in Christchurch, um das Spiel nachzustellen, das damals eine neue Epoche einleitete. Kaum 24 Stunden zuvor hatte Wellington Phoenix als zehnter Klub sein Debüt in der neu benannten A-League Women gegeben – und zwar als erster professionell geführtes Frauenteam.

"Das ist ein absoluter Wendepunkt", sagte die Trainerin von Wellington Phoenix, Gemma Lewis, eine Absolventin des FIFA Trainerinnen-Mentorenprogramms, mit Blick auf das neue Team. "Unsere Spitzenspielerinnen haben den Zugang zum Profifussball bislang nur durch den Wechsel ins Ausland gefunden. Aber das ist für viele Spielerinnen eine hohe Hürde, vor allem in jungen Jahren. Jetzt gibt es ein Team für Neuseeländerinnen, das nah der Heimat ist - man hat jetzt einen kompletten Entwicklungsweg in Neuseeland, der praktikabel und greifbar ist. Spielerinnen können im Land bleiben und müssen es nicht verlassen, wenn sie nicht wollen." Aufgrund von Beschränkungen im Zusammenhang mit COVID-19 wird das Team die meisten Spiele dieser Saison in Australien bestreiten, und weitere Einschränkungen führen dazu, dass der Kader größtenteils aus Jugendlichen besteht. Dennoch wird es für Lewis eine vertraute Umgebung sein, da zahlreiche Spielerinnen bereits in dem neuseeländischen Team spielten, das bei der FIFA U-17-Frauen-WM 2018 die Bronzemedaille gewann und von der 31-jährigen Waliserin trainiert wurde.

Durch den Vollzeit-Stützpunkt von Wellington Phoenix in Australien hat Lewis ungehinderten Zugang zu ihren Spielerinnen, die von technische Analysen, regelmäßigen Trainings- und Kraftraum-Einheiten und vielem mehr profitieren können. Lewis hofft, dass dies "unsere Entwicklung beschleunigen" wird. Es ist eine grundlegend andere Situation als die, mit der die Spielerinnen vor einem Jahrhundert konfrontiert waren. Sicher ist jedoch, dass diese kühnen Pionierinnen einen besonderen Moment in der Zeit geschaffen haben. Dies erkannte damals auch die Presse an, die feststellte, dass die Spielerinnen bei diesem wegweisenden Spiel 1921 "ihr Recht auf Fussball proklamierten - ein Zeitvertreib, den die Angehörigen des starken Geschlechts als ihr eigenes besonderes Privileg betrachtet hatten." Der Bericht lobte die Spielerinnen, wenn er auch eine bestimmte Art von geschlechtsspezifischen Kommentaren enthielt, die der damaligen Zeit entsprachen: "Wer so etwas wie Burleske erwartet hatte, wurde enttäuscht, denn die Spielerinnen waren dem Anlass entsprechend gekleidet und gut trainiert, sie nahmen das Spiel ernst ... und zeigten einige Glanzlichter in der Partie." Heute kann Neuseeland auf ein ganzes Jahrhundert Frauenfussball zurückblicken, auch wenn die entsprechenden Feierlichkeiten aufgrund der Pandemie um einige Monate verschoben werden mussten. Im Jahr 2023 wird sich der Kreis einer langen und bisweilen schwierigen Reise schließen, wenn Neuseeland und Australien die Welt zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ willkommen heißen.