Die FIFA-Legenden Karembeu, Matthäus, Mendes und Zabaleta über die Auslosungen

  • Heute findet die Auslosung der europäischen Playoffs für Katar 2022 statt

  • Unmittelbar danach werden auch die interkontinentalen Playoffs ausgelost

  • Wir sprachen mit den Auslosungsassistenten Christian Karembeu, Lothar Matthäus, Tiago Mendes und Pablo Zabaleta

Die Auslosung der europäischen Playoffs für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™, die heute um 17.00 Uhr MEZ beginnt, wird live auf FIFA TV übertragen. Im Anschluss daran werden die interkontinentalen Play-offs ausgelost, an denen jeweils eine Nation aus den Kontinentalverbänden AFC, CONCACAF, CONMEBOL und OFC teilnehmen wird.

FIFA-Wettbewerbsdirektor Manolo Zubiria wird die Auslosungen leiten, die präsentiert werden von Samantha Johnson, die es auf die 20-köpfige Liste der einflussreichsten Personen unter 40 Jahren in Großbritannien geschafft hat, und dem angesehenen italienisch-australischen Journalisten Adriano del Monte, der von den letzten drei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ 2010, 2014 & 2018 berichtete.

Zwölf Nationen werden in den europäischen Play-offs um drei Tickets kämpfen. Die Hoffnungsträger werden in drei Bäume mit je vier Teams aufgeteilt, deren Sieger sich für Katar 2022 qualifizieren. Die zwölf Trainer werden die Auslosung per Zoom verfolgen und anschließend Johnson und del Monte ihre Reaktion mitteilen.

European Play-Off Draw Pots-Graphic

Matthäus und Mendes wollen Cristiano Ronaldo in Katar sehen

Auch Lothar Matthäus wird die Auslosung genau verfolgen. Kurz nach dem Ende seiner 20-jährigen internationalen Karriere, deren Höhepunkt der Gewinn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1990™ in Italien war, erlebte er, wie sich Deutschland über die europäischen Play-offs für Korea/Japan 2002 qualifizierte und beim Turnier bis ins Finale vorstieß.

"Die beiden letzten Europameister, Italien und Portugal, haben sicherlich das Potenzial, bis ins Finale zu kommen – ähnlich wie Deutschland 2002", sagte er gegenüber der FIFA. "Eine Persönlichkeit wie Cristiano Ronaldo muss einfach bei der WM dabei sein. Das gilt auch für Italien. Ich hatte eine fantastische Zeit bei Inter Mailand, daher schlägt ein Teil meines Herzens für die Azzurri."

Tiago Mendes, der Portugal an der Seite von Ronaldo zum Erreichen des Finales der UEFA EURO 2004 und des Halbfinales in Deutschland 2006 verholfen hat, will seinen ehemaligen Mannschaftskameraden ebenfalls unbedingt in Katar sehen.

"Die Weltmeisterschaft wäre die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, wie wir in Portugal sagen, und was Cristiano im Fussball macht, ist unglaublich, und er wird für immer in diesem Sport in Erinnerung bleiben", sagte er. "Wir haben eine großartige Gruppe von Spielern, die uns Portugiesen von großen Trophäen träumen lässt."

Außenseiter

Auf die Frage, auf welche der ungesetzten Mannschaften er lieber nicht treffen würde, nannte Mendes eine, gegen die Portugal in vier Begegnungen nur einen Sieg und ein Unentschieden errang, aber zwei Niederlagen kassierte.

"Wir wissen, dass im Fussball alles passieren kann", sagte er. "Aber wenn ich eine Mannschaft auswählen müsste, würde ich sagen, die Ukraine, weil sie auch viele gute Spieler hat, sehr kompakt steht und wir gegen sie in den letzten beiden Spielen nicht gewinnen konnten."

Matthäus würde sich freuen, wenn noch andere Teams aus Lostopf 2 nach Katar fahren würden.

"Als ehemaliger Bayern-Spieler würde ich mich sehr freuen, wenn der aktuelle The Best - FIFA-Weltfussballer Robert Lewandowski mit Polen bei der Weltmeisterschaft dabei wäre", sagte er. "Das Gleiche gilt für David Alaba und meine Freunde in Österreich. Und ich würde mich auch sehr für meine vielen türkischen Freunde und ihren deutschen Trainer Stefan Kuntz freuen, wenn sich dieses fussballbegeisterte Land ein drittes Mal für die Weltmeisterschaft qualifiziert."

Unvergessliches Duell zwischen Zlatan und Cristiano

Für Christian Karembeu waren die europäischen Playoffs für Brasilien 2014 herausragend. Erstens, weil sein Land dabei war, und zweitens, weil in Solna das wohl spannendste Playoff-Spiel der WM-Qualifikationsgeschichte stattfand, bei dem ein brillanter Doppelpack von Zlatan Ibrahimovic von einem atemberaubenden Hattrick von Cristiano Ronaldo noch überboten wurde.

"Die Bilder gingen um die Welt", erinnert sich der Weltmeister von Frankreich 1998. "Zwei der besten Spieler der Welt, zwei große Persönlichkeiten, die es verstehen, in den großen Spielen, in den wichtigen Momenten, präsent zu sein. Cristiano war an diesem Abend einfach ein bisschen zu stark für Zlatan."

Wie Portugal musste auch Frankreich eine harte Prüfung bestehen, um nach Brasilien zu gelangen. Nach einer 0:2-Hinspielniederlage in der Ukraine trug Mamadou Sakho zwei Tore zum nötigen 3:0-Sieg der Franzosen im Rückspiel bei – es war das einzige Länderspiel, in dem er je getroffen hat.

"Das war auch bei einem anderen Verteidiger in einem wichtigen Spiel der Fall, nämlich bei Lilian Thuram", sagt Karembeu. "Wir lagen im Halbfinale der Weltmeisterschaft 1998 gegen Kroatien mit 0:1 zurück, als Lilian zwei Tore erzielte und uns damit ins Finale brachte. In keinem anderen der 141 Spiele, die er für Frankreich bestritten hat, hat er je ein Tor geschossen – weder davor, noch danach.

Und man darf nicht vergessen, dass Karim Benzema das andere Tor gegen die Ukraine erzielt hat. Ich erwarte, dass er bis zur WM-Endrunde im nächsten Jahr voll fit und einsatzbereit ist."

Viele sind der Meinung, dass Benzemas Rückkehr das Team der Bleus, das Russland 2018 gewonnen hat, noch weiter verbessert hat. Aber kann Frankreich die erste Mannschaft seit Brasilien 1962 werden, die zwei Weltmeisterschaften hintereinander gewinnt?

"Das Niveau hat sich so stark verbessert, dass es heute viele Mannschaften gibt, die große Turniere gewinnen können", sagt Karembeu. "Wer hätte erwartet, dass Dänemark, das für Jugoslawien einsprang, die EURO 1992 gewinnt, oder dass Griechenland 2004 Europameister wird? Wer hätte erwartet, dass die Republik Korea bei der WM 2002 das Halbfinale erreicht und auch dort nur denkbar knapp gegen Deutschland verliert?

Wir leben aufregenden Zeiten, und das bedeutet, dass es für die traditionell großen Mannschaften aus Europa oder Südamerika schwieriger geworden ist, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, geschweige denn den Titel zu verteidigen. Allerdings hat Frankreich durchaus die Qualitäten, die Torgefährlichkeit und das Talent, den Titel nächstes Jahr in Katar zu verteidigen."

Duell der Kontinente und Messis Traum

Die beiden interkontinentalen Playoffs werden am 13. und 14. Juni 2022 ausgetragen, jeweils in nur einem Spiel. Pablo Zabaleta erinnert sich noch daran, dass Argentinien ein Playoff-Duell überstehen musste, um 1994 in den USA dabei zu sein.

"Ich war damals erst acht Jahre alt und erinnere mich nur an sehr wenig, aber natürlich war die Spannung enorm", sagt er. "Ich hatte wohl durchaus damit gerechnet, dass sich Argentinien für die Weltmeisterschaft qualifizieren würde, aber Australien war ein starker Gegner und hat es Argentinien sehr, sehr schwer gemacht. Die Rückkehr Maradonas in die Nationalmannschaft für diese Spiele war der entscheidende Faktor."

Zum Glück für den ehemaligen Rechtsverteidiger, der 2014 Vizeweltmeister wurde, hat sich Argentinien ebenso wie Brasilien bereits für die Endrunde 2022 qualifiziert. Ecuador steht kurz davor, ebenfalls das Ticket zu lösen. Im Rennen um den vierten direkten Qualifikationsplatz und den Platz im interkontinentalen Playoff sind die Teams von Kolumbien, Peru, Chile, Uruguay und Bolivien derzeit nur durch drei Punkte getrennt.

"Die CONMEBOL-Qualifikation ist im Moment die am stärksten umkämpfte Zone", so Zabaleta. "Vier Spieltage vor Schluss liegt Ecuador auf einem soliden dritten Platz, und meiner Meinung nach wird auch Kolumbien die direkte Qualifikation schaffen. Ich denke, dass Uruguay den Platz im interkontinentalen Playoff ergattern könnte."

Uruguay und Italien sind die einzigen Ex-Weltmeister, die noch nicht für die 22. WM-Auflage qualifiziert sind. Lionel Messi hat die begehrte Trophäe noch nie in Händen gehalten. Könnte er, nachdem er im Juli mit Argentinien seinen ersten Titel bei der Copa América in Brasilien gewonnen hat, am 18. Dezember 2022 im Lusail Iconic Stadium die Krönung seiner atemberaubenden Karriere erleben?

"Katar 2022 könnte Messis letzte Weltmeisterschaft sein, und ich kann es kaum erwarten, sein magisches Können für Argentinien zu sehen", so Zabaleta. "Es ist der Traum aller Argentinier, zu sehen, wie Messi die WM-Trophäe in die Höhe stemmt."