Mittwoch 01 Juli 2020, 11:00

Die DR Kongo träumt von der zweiten WM-Teilnahme

  • 1974 nahm die DR Kongo zum bislang einzigen Mal an einer WM-Endrunde teil

  • Ein enttäuschendes Remis gegen Tunesien machte die Hoffnung auf eine Teilnahme 2018 in Russland zunichte

  • Leoparden-Trainer Christian Nsengi-Biembe hofft auf eine neuerliche Teilnahme

1934 nahm erstmals eine afrikanische Nation an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teil, nämlich Ägypten. Es sollte danach fast vier Jahrzehnte dauern, bis zum zweiten Mal ein Team aus Afrika bei einer WM-Endrunde dabei war, nämlich Marokko bei der Turnierauflage 1970 in Mexiko. Weitere vier Jahre später war dann die heutige DR Kongo (damals als Zaire) zum ersten und bis heute einzigen Mal auf der Weltbühne des Fussballs vertreten.

In den vergangenen Jahren haben die Leoparden durchaus beeindruckende Leistungen gezeigt. Im starken Kader des Landes stehen beispielsweise Cedric Bakambu und Yannick Bolasie. Beinahe wäre die DR Kongo bei der FIFA Fussball-WM Russland 2018™ auf die Weltbühne zurückgekehrt, doch dann setzte sich doch Tunesien durch. Damit steht Cheftrainer Christian Nsengi-Biembe weiterhin vor der Aufgabe, den Traum der zweiten WM-Teilnahme wahr zu machen. Als gebürtiger Kongolese kennt er den Fussball und die Geschichte des Landes bestens.

Im Exklusiv-Interview mit FIFA.com sagte der Coach zu diesem Traum: "Jedes Mal, wenn wir in eine Qualifikation starten, wollen wir die WM-Endrunde erreichen. Das war schon vor mir so und das wird auch nach mir so sein. Wir gehören zu den Top Ten der afrikanischen Teams. Daher ist es selbstverständlich, dass wir die WM-Teilnahme anstreben. Angesichts unseres aktuellen Kaders muss Katar 2022 unser Ziel sein."

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Eine schwere Gruppe

Bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen landete die DR Kongo zusammen mit Benin, Madagaskar und Tansania in Gruppe J. Auf dem Papier könnten die Leoparden durchaus als Favoriten gelten, doch sowohl Madagaskar als auch Benin konnten beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2019 beeindrucken und erreichten das Viertelfinale.

"Wir haben Einiges an Daten und Informationen über unsere Gegner, insbesondere Benin und Tansania", so Nsengi-Biembe. "Madagaskar habe ich bei der Endrunde der Afrikameisterschaft beobachtet, als ich unser Technischer Manager war. Wir müssen gegen all unsere Gegner Bestleistungen bringen, denn sie werden besonders motiviert sein, weil wir zu den Top Ten-Teams in Afrika gehören. Alle Teams haben enorme Fortschritte gemacht. Es gibt keine leichten Gegner mehr. Wir müssen volle Leistung bringen, um Gruppensieger zu werden."

Wird das Team der DR Kongo auf Revanche aus sein, wenn es in der Qualifikation bald wieder auf Madagaskar trifft, den Gegner, gegen den bei der Afrikameisterschaft 2019 Endstation war?

"Wir werden allen Gegnern in der Gruppe mit Respekt begegnen", so der Trainer. "Es geht nicht um Revanche. Mein Team wird nicht durch den Gedanken an Revanche motiviert. Ich erinnere mich noch, dass das Spiel mit 2:2 endete und wir dann im Elfmeterschießen ausgeschieden sind. Aber wir haben in diesem Spiel sehr viel über den Gegner gelernt. Madagaskar hat eine starke und disziplinierte Mannschaft."

Aus Fehlern lernen

Der vierte Spieltag in Gruppe A der Afrika-Qualifikation für die FIFA Fussball-WM Russland 2018™ ist in der DR Kongo bis heute unvergessen. Mit einem Heimsieg gegen Tunesien in Kinshasa hätte man die gleiche Punktzahl wie der Gegner und damit zwei Spiele vor Schluss eine gute Chance auf die Qualifikation gehabt. Zunächst waren die Leoparden auf Kurs und gingen durch Treffer von Chancel Mbemba (9.) und Paul Jose Mpoku (47.) mit 2:0 in Führung. Dann jedoch drehten die Gäste aus Tunesien auf und kamen durch Ben Amor (77.) und Anice Badri (79.) zum Ausgleich, der die Hoffnungen der Kongolesen zerplatzen ließ.

Auf dieses Spiel und die mögliche Reaktion seines Teams in einer ähnlichen Situation angesprochen, sagte Nsengi-Biembe: "Wir haben dieses Erlebnis mit Tunesien im Hinterkopf und wollen uns dieses Mal erfolgreich qualifizieren. 2018 hat sich Tunesien qualifiziert, doch auch die DR Kongo hatte ein starkes Team, das das Weiterkommen verdient gehabt hätte. Die Qualifikationsspiele werden ein Kampf, den wir in Hochstimmung führen werden, um unsere Chancen zu erhöhen."

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Das Team steht an erster Stelle!

Nsengi-Biembe verlässt sich als Trainer lieber auf ein starkes Kollektiv als auf Individualisten mit großen Namen. "Die Spieler sind bei ihren Klubs alle hoch angesehen. In der Nationalmannschaft sehe ich in ihnen so etwas wie meine Söhne. In meiner gesamten Trainerkarriere habe ich stets gesagt: 'Es ist besser, elf starke Spieler im Team zu haben als elf Stars. Es könnte einen sehr guten Spieler geben, der aber einfach nicht in mein Team passt.'

"Das beste Beispiel ist Hervé Renard, der die Afrikameisterschaft ganz ohne Stars gewonnen hat. Ein Star muss sich in den Dienst des Teams stellen, nicht umgekehrt. Dann wäre da auch noch Djamel Belmadi, den ich als Vorbild sehe. Gegen sein algerisches Team sind wir zu einem Freundschaftsspiel angetreten. Ich habe seine Trainerkarriere verfolgt und kenne seine Philosophie und seine Arbeitsweise mit Algerien. All das gefällt mir sehr gut. Das ist genau, was auch wir brauchen, um uns zu qualifizieren: ein starkes Kollektiv und einen technischen Stab auf hohem Niveau. Jeder muss Vertrauen in das Team haben. Ich versuche, eine möglichst starke Gruppe aufzubauen, in der jeder Spieler auf seiner Position seine beste Leistung bringen kann. Außerdem konzentriere ich mich auf die psychologischen, physischen und mentalen Aspekte."

Zum Abschluss baten wir den Trainer noch um seinen Tipp, welche Teams sich für Katar 2022 qualifizieren werden: "Ich denke, dass alle Teams, die in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste zu den Top-15 Afrikas gehören, eine Chance haben, es nach Katar zu schaffen. Allerdings scheinen einige Teams stärkere Kandidaten als andere zu sein. Und natürlich hoffe ich, dass wir zu denjenigen gehören, die es zur WM-Endrunde schaffen."