Bulgarien ist zurück im Spiel

17. Sept. 2021
  • Nach siebenjähriger Pause nimmt Bulgarien erstmals wieder an der Qualifikation für ein großes Turnier teil

  • Am Samstag trifft das Team zum Auftakt auf Deutschland

  • "Auf dieses Spiel haben wir so lange gewartet"

Ausgerechnet gegen Deutschland … Diese Aussage mag so manchen Trainern und Trainerinnen durch den Kopf gehen, wenn sie in der Qualifikation für eine Frauen-WM ausgerechnet auf das DFB-Team treffen, dass bisher noch keine Ausgabe verpasst hat. Für Silviya Radoyska ist es hingegen ein wahrer Glücksgriff, zum Auftakt im Rennen um einen Startplatz für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien/Neuseeland 2023™ gegen die Elf von Martina Voss-Tecklenburg anzutreten.

"Wir haben in den letzten sieben Jahren keine Qualifikation gespielt. Es ist eine sehr wichtige Partie, auf die wir so lange gewartet haben, weil wir keine offiziellen Spiele hatten", erklärt Bulgariens Nationaltrainerin im Gespräch mit FIFA.com. "Es wird eine Ehre und große Herausforderung zugleich sein, auf die drittbeste Mannschaft der Welt zu treffen. Aber wir sind auch froh, dass wir uns mit einer der besten Mannschaften der Welt messen dürfen."

Silviya Radoyska - Head coach Bulgaria Women's National Team

Sieben Jahre sind – nicht nur Frauenfussball - eine lange Zeit. International war Bulgarien zuletzt in der Qualifikation für Kanada 2015 aktiv. Neun Niederlagen, ein Unentschieden und 62 Gegentore lautete die niederschmetternde Bilanz am Ende. Nur Nordmazedonien hatte damals eine schlechte Torbilanz vorzuweisen.

Seitdem wurden nur noch ein bis zwei Freundschaftsspiele im Jahr absolviert. Viel zu wenig für Radoyska, die 15 Jahre lang Kapitänin Bulgariens war. Umso wichtiger ist es nun für die Weiterentwicklung des Frauenfussballs, dass die A-Nationalmannschaft in die Qualifikationswettbewerbe zurückkehrt.

"Ich bin jetzt schon eine Weile Trainerin der A-Nationalmannschaft, habe 13 Jahre lang die U-19-Mannschaften trainiert, zunächst als Assistentin und acht Jahre lang als Cheftrainerin. Ich wollte in meiner Karriere als Trainerin einen Schritt nach vorne machen. Jetzt kann ich mehr von besseren Teams und besseren Trainern lernen", so die 35-Jährige.

"Es wird für mich und die Spielerinnen wirklich gut sein, auf diese Mannschaften zu treffen. Sie können lernen, wie sie ihre Fähigkeiten verbessern können. Vor allem, wenn es gegen Deutschland und Portugal geht. Wir können von ihrem Trainingsstil und ihren Formationen lernen, ihre Spiele analysieren. Als Trainerin kann ich über den Frauenfussball, der so schnell in der Welt wächst, lernen. Ich denke nicht, dass wir schlechter sind als die Mannschaften aus Serbien, Israel und der Türkei. Wir werden versuchen, gute Ergebnisse gegen sie zu erzielen und eine konkurrenzfähige Mannschaft zu sein."

Bulgarian Women's National Team

Gute Ergebnisse zu erzielen ist auch im Hinblick auf die Zukunft des Frauenfussballs in Bulgarien von enormer Wichtigkeit. Sie sorgen dafür, die weibliche Seite des Sports mehr in den Fokus zu rücken und nicht nur für junge Mädchen interessanter zu machen. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass die FIFA und die UEFA den Frauenfussball unterstützen. Das Wichtigste in Bulgarien ist, dass die Männerteams erkennen, dass sie auch ein Frauenteam brauchen und versuchen, dies zu unterstützen. Ich habe in Italien erlebt, dass die besten Männermannschaften auch Frauenteams haben. Sie organisieren alles für sie. Nicht nur für die Vereinsmannschaften, sondern auch für die Nationalmannschaften", beschreibt Radoyska, die am FIFA Trainerinnen-Mentorenprogramm teilnahm.

"Es wird sehr wichtig für uns sein, die Zahl der Mädchen, die Fussball spielen, zu erhöhen. Sie sollten verstehen, dass dies nicht nur ein Sport für Jungen ist. Und ich wünsche mir, dass wir mehr und bessere Trainer im Frauenfussball haben werden. Dann werden wir mit der U-17 und U-19 bessere Ergebnisse erzielen und hoffentlich - in den nächsten drei bis vier Jahren - auch mit der A-Nationalmannschaft."

Bilder mit freundlicher Unterstützung der Bulgarian Football Union.