Arni: Ich will unbedingt Brasilien schlagen und meine neugeborene Tochter im Arm halten

  • Arni Knaub glänzte und erzielte zwei Tore für Kasachstan bei Litauen 2021

  • Einen Tag vor dem Halbfinale wurde er erstmals Vater

  • Knaub spricht über den Turnierverlauf und das bevorstehende Traumspiel um Bronze gegen Brasilien

Innerhalb von nur 36 Stunden erlebte Arni Knaub zwei absolute Höhepunkte seines privaten und sportlichen Lebens. Am späten Montagabend wurde er von Trainer Paulo Figueroa als "Superheld" gefeiert, nachdem er mit seinem Geschoss zu einem der größten Erfolge in der Sportgeschichte Kasachstans beigetragen hatte. Am Mittwochmorgen brachte seine "Superheldin " und Ehefrau Arina ihr erstes Kind zur Welt – 3.000 Kilometer entfernt in Almaty.

Knaub sprach mit FIFA.com über die Geburt, seine Jubelgesten, Kasachstans historisches Abschneiden und seinen Wunsch, Brasilien im Kampf um Bronze zu besiegen.

Was für ein Gefühl ist es, zum ersten Mal Vater zu werden? Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ein solches Gefühl habe ich nie zuvor empfunden. Es war für mich wirklich sehr schwer, dass ich so weit weg von meiner Familie war. Ich wäre wirklich gern für meine Frau dort gewesen und hätte meine Tochter in die Arme genommen. Aber das ist nunmal Teil meiner Aufgabe. Diese Weltmeisterschaft ist schon seit Jahren meine Mission. Meine Frau unterstützt mich sehr. Wir wussten nicht, wann genau die WM nun stattfinden würde und wann das Baby zur Welt kommen würde. Das Ziel war, das Halbfinale zu erreichen und dann das Finale, und nun lautet es, eine Medaille zu gewinnen.

Sie haben die bevorstehende Geburt Ihrer Tochter Olivia schon mit Ihrem Torjubel in Litauen gefeiert… (lacht) Ich hatte schon monatelang daran gedacht, das zu machen. Ich will meiner Frau damit meinen riesigen Dank übermitteln. Es ist ohnehin schon nicht leicht, schwanger zu sein und ein Kind zu bekommen, aber ich war zwei Monate lang weg, und das hat es für Arina noch viel schwerer gemacht. Also habe ich mir gedacht, wenn ich bei der Weltmeisterschaft ein Tor schieße, werde ich ihr diesen kleinen Tribut zollen. Es hat ihr gefallen, und darüber freue ich mich sehr. Ich liebe sie.

Eines dieser Tore war ein Gewaltschuss beim 3:2-Sieg gegen die IR Iran. Hatten Sie von Natur aus einen so fulminanten Schuss und die Fähigkeit zum Volleyschuss, oder haben Sie das entwickelt? Als ich nach Tulpar ging, spielte ich mit dem Brasilianer Talles Feitosa. Er war ein unglaublicher Spieler. Ich habe ihm zugesehen, wie er schoss und seine Volleys ausführte, und war wirklich beeindruckt. Ich fragte ihn danach, er verriet mir viele nützliche Tipps, und ich begann, meine Fähigkeiten in diesem Bereich zu entwickeln. Mittlerweile ist das eine Spezialität von mir. Mein harter Schuss hat mir ermöglicht, in einem WM-Viertelfinale ein Tor zu schießen, Kasachstan den Ausgleich zu verschaffen und eine Jubelgeste zu zeigen, die ich meiner Tochter zeigen kann, wenn sie alt genug ist.

Wer war Kasachstans bester Spieler bei diesem Turnier? Higuita. Er spielt wie aus einer anderen Welt. Er war nicht nur der beste Spieler Kasachstans sondern des gesamten Turniers. Er hat unbedingt den Goldenen Ball verdient, aber ich weiß, dass diese Auszeichnung bei solchen Turnieren normalerweise an einen Spieler der Siegermannschaft geht.

Was hören Sie über die Reaktionen auf Ihre Leistungen aus der Heimat?Es ist absolut fantastisch. Die Leute hatten vielleicht erwartet, dass wir die K.o.-Phase erreichen würden, aber als wir das Halbfinale erreichten, ist die Begeisterung regelrecht explodiert. Ich glaube, wir sind jetzt die erfolgreichste Sportmannschaft Kasachstans. In keiner anderen Sportart war je eine Mannschaft aus unserem Land unter den besten vier Teams der Welt. Wir wurden mit Nachrichten regelrecht überflutet und alle waren völlig euphorisch. Selbst der kasachische Präsident hat uns persönlich gratuliert. Wir wollten unbedingt das Finale erreichen, und ich denke, wir hätten den Sieg gegen Portugal verdient gehabt, doch nun werden wir alles tun, um eine Medaille zu gewinnen.

Dazu müsste Kasachstan allerdings den fünfmaligen Rekordweltmeister schlagen. Was für ein Gefühl ist es, dass Sie gegen das mächtige Brasilien um eine Medaille bei der Futsal-Weltmeisterschaft spielen werden? Das macht mich sehr, sehr glücklich. Seit ich ein Kind war, habe ich davon geträumt, bei einer Weltmeisterschaft gegen die brasilianische Nationalmannschaft zu spielen. Die brasilianischen Spieler waren meine Helden. Der beste Spieler - nicht nur für mich, sondern für die ganze Welt - war Falcão, aber ich mochte auch Simi sehr. Meine Spielweise ist seiner ähnlicher. Und bei der Weltmeisterschaft in Thailand war ich von Neto regelrecht überwältigt. Ich freue mich so sehr, dass ich gegen das Land spielen werde, das so viele dieser unglaublichen Spieler hervorgebracht hat. Doch seitdem haben sich die Zeiten geändert. Als Kind habe ich immer davon geträumt, einfach nur mit diesen Superstars auf dem Feld zu stehen. Um ehrlich zu sein, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Kasachstan gegen Brasilien antreten könnte. Jetzt hingegen träume ich davon, Brasilien zu schlagen und Dritter zu werden. Das ist jetzt tatsächlich eine realistische Möglichkeit. Was Kasachstan hier geleistet hat, ist schon jetzt märchenhaft, aber Brasilien zu schlagen und eine Medaille zu gewinnen, wäre wohl die Mutter aller Märchen. Für das kasachische Volk wäre das unglaublich. Ich kann mir kaum vorstellen, wie begeistert und euphorisch die Menschen sein würden.

Was für ein Gefühl wird es sein, endlich Baby Olivia zu halten? Ich weiß, dass ich vor Glück weinen werde. Ich bin sicher, dass dies der emotionalste Moment meines Lebens wird. Aber es gibt etwas, das ich zuvor noch tun will: Ich will noch ein Tor bei diesem Turnier schießen, gegen Brasilien. Dafür habe ich schon einen neuen Torjubel im Kopf, um Baby Olivia zu ehren.