Abdul Razak: Familienstolz und Hoffnungsträger

2. Juni 2016

Burundis Torjäger Fiston Abdul Razak trägt im Alter von 24 Jahren die Hoffnungen eines ganzen Landes auf seinen Schultern, das noch nie an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ oder CAF Afrikameisterschaft teilgenommen hat. Der Publikumsliebling der Schwalben hat in den letzten sieben Spielen seiner Nationalelf sechs Mal getroffen. Mit fünf Treffern liegt er in der Qualifikation zum Afrika-Cup 2017 derzeit sogar an der Spitze der Torschützenliste vor Islam Slimani, Youssef El Arabi oder Stéphane Sessègnon.

"Darauf bin ich stolz, vor allem aber spornt es mich an, noch besser zu werden", sagt er am Vorabend der wichtigen Partie gegen Senegal im Gespräch mit FIFA.com. Burundi liegt in Gruppe K, in der sich außerdem Niger und Namibia befinden, hinter den Löwen von Teranga auf dem zweiten Rang. "Ich will einfach nur so weit wie möglich kommen. Für mich ist es wichtig, Fortschritte zu machen und meinem Land dabei zu helfen, ebenfalls vorwärtszukommen", fährt er ruhig fort.

Seit den ersten Gehversuchen als Fussballer in seinem Geburtsort Bujumbura bis hin zur südafrikanischen Meisterschaft, in der er seit 2015 aktiv ist, ging es für Abdul Razak kontinuierlich aufwärts. "Ich habe einen Schritt nach dem anderen gemacht. Angefangen habe ich auf der Straße mit meinen Freunden, dann habe ich in der Schulmannschaft und später im Verein gespielt, jedes Mal auf einer höheren Stufe", erklärt er. "Den entscheidenden Schritt machte ich 2009, als ich bei LLB Academic unterschrieb. Es folgten meine ersten Erfahrungen in der burundischen Elite und in der Nationalmannschaft."

Nach einem Gastspiel in Kenia bei Sofapaka FC in der Saison 2014/15, wo er starke Leistungen zeigte, bot sich ihm die große Chance, zu einem afrikanischen Spitzenklub zu wechseln. Der aktuelle südafrikanische Meister Mamelodi Sundowns nahm Abdul Razak unter Vertrag.  Doch der 1,74 Meter große Stürmer schaffte es zunächst nicht, sich durchzusetzen. "Es ist unglaublich, in der Nationalmannschaft so viele Tore zu schießen - vor allem gegen Mannschaften wie Kongo DR - und so hart zu kämpfen, um sich im Verein einen Platz in der Startelf zu erkämpfen", sagte kürzlich Pitso Mosimane, sein Trainer bei den Sundowns. "Aber Fiston wird es am Ende schaffen." Großzügiges Wunderkind Abdul Razak hat im Verlauf seines Werdegangs schon öfter Charakter bewiesen. Gerne erinnert er daran, dass er viele Hindernisse auf seinem Weg vorgefunden hat, sie aber stets umschiffen konnte. "Das größte Hindernis für meine Profikarriere waren meine Eltern", sagt das fünftgeborene Kind von neun Geschwistern scherzhaft. "Für sie war es unvorstellbar, dass ich eines Tages mit dem Fussball meinen Lebensunterhalt bestreiten können würde. Sie wollten unbedingt, dass ich studiere. Ich habe sie davon überzeugen können, dass ich beides schaffe! Heute freuen sie sich für ihren Sohn und ich danke es ihnen, indem ich ihnen so viel helfe wie ich kann."

Der ebenso großzügige wie mit Talent gesegnete Abdul Razak ist inzwischen nicht nur der Stolz der Familie, sondern einer ganzen Nation. Seine drei Tore gegen die Seychellen in der Vorrunde der WM-Qualifikation für Russland 2018 im November 2015 bescherten den Schwalben einen Erfolg, den sie seit 2008 herbeisehnen. Im März 2016 erzielte er gegen Namibia erneut drei Treffer und sorgte dafür, dass sein Land noch im Rennen um eine historische Qualifikation für die kontinentale Endrunde ist.

"Jedes Tor zählt", sagt Abdul Razak. "Gegen Namibia habe ich im Rückspiel zwei Treffer erzielt, die zum Sieg beigetragen haben und deshalb sehr wichtig waren. Aber auch mein Tor drei Tage zuvor im Hinspiel, das wir 1:3 verloren, hat seine Bedeutung. Es hat unsere Ehre gerettet und uns Hoffnung gemacht. Außerdem gehörte es zu den schönsten, die ich je gemacht habe", sagt er zu seinem herrlichen Fallrückzieher.

"Ich bin besessen davon, Tore zu schießen", sagt Abdul Razak abschließend. "Sobald ich einen Platz betrete, denke ich an nichts anderes mehr. Und falls ich mal nicht treffe, schmerzt mich das."