Wahre "Championnes" in Guinea

  • Im Rahmen des Projekts "Championnes" war kürzlich eine FIFA-Delegation zu Gast in Guinea

  • Das Ziel: Mädchen sollen durch Fussball eine hochwertige Ausbildung in einem sicheren Umfeld erhalten

  • Außer in Guinea wird das Projekt auch in Benin und Togo umgesetzt

"Wydad ist Afrikameister" – so lauteten in den letzten 24 Stunden die Schlagzeilen der Fachpresse. Tatsächlich hat der marokkanische Klub Wydad Casablanca mit einem 2:0-Sieg gegen den ägyptischen Spitzenklub, Titelverteidiger und Rekordmeister Al Ahly am 30. Mai die CAF Champions League gewonnen. Das ist zweifellos eine Glanzleistung. Ein ähnliches Bravourstück haben die "Championnes" aus Guinea vollbracht. Dabei handelt es sich um die Teilnehmerinnen am gleichnamigen Programm, das von der FIFA, der Agence Française de Développement (AFD) und der Nichtregierungsorganisation Plan International France gemeinsam umgesetzt wird. Ziel des Projekts ist die Bekämpfung diskriminierender Einstellungen und Praktiken gegenüber Frauen und Mädchen und deren Unterstützung bei ihrer Emanzipation. In einem Land wie Guinea, in dem 54% der Mädchen vor ihrem 17. Lebensjahr verheiratet werden und 29% nicht zur Schule gehen, steht so viel auf dem Spiel wie bei einem Champions-League-Finale.

"Es ist festzustellen, dass die Mädchen bei bestimmten Prozessen außen vor bleiben. In einigen Gemeinden werden sie sogar missachtet. Sie dürfen nicht selbst für sich entscheiden, sondern jemand entscheidet für sie", erklärt Alassane Camara, Projektleiterin von "Championnes". "Das Projekt gibt diesen Mädchen Gelegenheit, sich zu verändern und den Prozess ihrer persönlichen Entwicklung selbst mitzugestalten, indem beispielsweise ihre Fähigkeiten und ihr Selbstvertrauen gestärkt werden." Konkret soll durch das Fussballspielen ein Beitrag zur Förderung der Führungsqualitäten von Mädchen und zur Gleichstellung der Geschlechter im schützenden Umfeld der Schule geleistet werden. Am 23. und 30. Mai war eine FIFA-Delegation vor Ort, um sich von den positiven Auswirkungen zu überzeugen.

"Wir konnten feststellen, dass das Projekt bei den unterschiedlichen Beteiligten, von den örtlichen Behörden über die Familien bis hin zu den Spielerinnen, auf große Begeisterung stößt", so Céline Zigaul, Leiterin FIFA-Entwicklungsprogramme, CAF und Karibik. Wir würden das Projekt gern weiter optimieren, auch wenn die Wirkung vor Ort bereits hervorragend ist. "

Die Begeisterung der jungen Mädchen ist deutlich zu spüren. "Das Projekt bereitet mir Freude, weil ich Mitglied eines Fussballteams sein und mich öffentlich ausdrücken kann. Dadurch habe ich eine Vorstellung davon bekommen, was es heißt, selbstständig zu sein", erklärt Sila, eine der Teilnehmerinnen. Ihre Mitspielerin Kadiatou ist derselben Ansicht: "Ich hatte die Möglichkeit, mich über meine Schule für dieses Programm anzumelden. Ich dachte, das wäre gut für mich, und das stimmt auch! " Das Programm "Championnes" zielt vor allem darauf ab, dass Mädchen sich durch das Fussballspielen emanzipieren können, aber auch auf die Gleichstellung der Geschlechter. Daher sind die Trainingseinheiten gemischtgeschlechtlich. "Es ist wichtig, die Gleichstellung von Frau und Mann zu fördern", betont Noam, ein junger Fussballer. "Früher haben die Männer den Fussball für sich beansprucht. Bei diesem Projekt wird den Frauen gezeigt, dass sie auch Fussball spielen können. " Und wie sie das können! Erst kürzlich hat Yeo Moriba, die Mutter der Pogba-Brüder und Botschafterin des Frauenfussballs in Guinea, am Mikrofon von FIFA.com erklärt: "In Guinea mangelt es weder an Talent noch an Ehrgeiz. Aber es müssen Voraussetzungen für den Erfolg geschaffen werden." Genau das passiert über das Programm "Championnes".