Match Director Workshop: Ein Blick hinter die Kulissen

  • Die Spielverantwortlichen (Match Director) der diesjährigen Turniere trafen sich zu einem Workshop in Zürich

  • 21 Teilnehmer aus den verschiedensten Konföderationen und Nationen waren nach Zürich gereist

  • Ein Match Director sorgt dafür, dass vor, während und nach dem Spiel alles reibungslos abläuft

Die Fussballregeln muss man hier wohl keinem mehr erklären. Zwei Mannschaften, zwei Halbzeiten, eine Halbzeitpause und ein Schiedsrichtergespann, dass das Spiel leitet und dafür sorgt, dass die Regeln eingehalten werden. Das ist auch bei FIFA-Turnieren nicht anders. Doch nur wenige wissen, wer im Hintergrund die Fäden des Wettbewerbs zieht und dafür sorgt, dass bei einem Spiel alles reibungslos abläuft. Diese wichtige Aufgabe fällt den FIFA Match Directors zu, die den Teams die Bühne bereiten. "Im Grunde genommen sind wir für die Dinge zuständig, die hinter den Kulissen passieren. Das erfordert eine Menge Arbeit und fängt schon damit an, was vor dem Spieltag im Stadion passiert. Man ist im Stadion, um sicherzustellen, dass die Infrastruktur, die Umkleidekabinen, das Spielfeld, die Tore usw. an Ort und Stelle sind und für die Spiele bereit", erklärt Amina Kassem, die als Head of Disciplinary Administration für den Afrikanischen Fussballverband (CAF) tätig ist.

ZURICH, SWITZERLAND - MAY 12: FIFA Match Director Workshop at HoF, the Home of FIFA on May 12, 2022 in Zurich, Switzerland. (Photo by Harold Cunningham/FIFA)

"An Spieltagen gibt es eine Liste mit den Dingen, die zu erledigen sind. Der pünktliche Spielbeginn ist zum Beispiel sehr wichtig. Fünf bis sechs Stunden vor dem Anpfiff eines Spiels sollten wir im Stadion sein, um sicherzustellen, dass alles an seinem Platz ist", führt sie weiter aus.

"Der Einmarsch der Mannschaften und das Bereitlegen der Fahnen ist etwas, das wir vor dem Spiel proben müssen. Wie lange dauert das? Wann ist die Zeremonie beendet? Die Mannschaften sollten 90 Minuten vorher im Stadion eintreffen. Wir müssen dann eine Startliste erstellen, die an die Medien, die Fernsehsender und viele andere Interessengruppen geht. Man muss dafür sorgen, dass die Mannschaften zu einer bestimmten Zeit zum Aufwärmen gehen, die 50 Minuten vor dem Spiel beginnt und 20 Minuten vorher endet, dann gehen sie zurück in ihre Umkleidekabinen und man beginnt mit den Vorbereitungen für die Zeremonie... Es ist so viel, und die Leute wissen und sehen es nicht." Um dieses hohe Niveau aufrecht zu erhalten, waren 21 Teilnehmer aus einer Vielzahl von Konföderationen und Nationen zum dreitägigen Match Direktor Workshop nach Zürich gereist. Im Home of FIFA wurde unter anderem über wichtige Änderungen im Spielbetrieb informiert, Schlüsselaufgaben & Schwerpunkte diskutiert.

Die FIFA leistet eine großartige Arbeit. Sie sorgt dafür, dass Erfahrungen ausgetauscht werden und dass wir wirklich global sind.

"Der Workshop war sehr informativ, vor allem nach den vielen Herausforderungen, denen wir in den letzten zwei Jahren ausgesetzt waren. Es ist gut, dass wir uns endlich physisch und nicht über Zoom treffen konnten", berichtet Shengying Dai.

"Zu wissen, dass große Wettbewerbe bevorstehen und vor allem die Aktualisierungen der Wettbewerbsorganisation waren wichtig. Wie zum Beispiel Strukturen und einige der Abläufe. Es gibt vielleicht einige neue Implementierungen, die wir für die späteren Wettbewerbe mitnehmen werden. Unser Titel hat sich geändert, wir sind jetzt nicht mehr General Coordinator, sondern Match Directors. Die Aufgaben haben sich nicht so sehr verändert, aber es gibt einige Anpassungen in den Details." Die gebürtige Chinesin war erstmals 2010 (U-17-Frauen-WM Korea Republik) für ein FIFA-Turnier ausgewählt worden und wird in diesem Jahr als Match Director zur U-17-Frauen-WM nach Indien reisen.

ZURICH, SWITZERLAND - MAY 13: FIFA Match Director Workshop at HoF, the Home of FIFA on May 13, 2022 in Zurich, Switzerland. (Photo by Harold Cunningham/FIFA)

Katharina Dühmert, die seit 18 Jahren für den DFB arbeitet, vertritt eine ähnliche Meinung wie Dai. "Es war richtig toll und hat uns allen viel gegeben – vor allem auch viel Kraft für die anstehenden Turniere. Wir sind alle auf der Welt verteilt und ich bin diejenige mit der kürzesten Anreise. Es ist einfach toll, wenn man aus allen Ecken der Welt zusammenkommt. Jeder arbeitet im Prinzip an der gleichen Sache. Wir verstehen uns, alles läuft ähnlich ab, wir können Erfahrungen austauschen und uns gegenseitig helfen. Nicht nur im Workshop sondern auch während des Turniers oder dem Weg dorthin." Mit der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 am Horizont gilt es nun ebenfalls, auf den Erkenntnissen, die während der Juniorinnen-Turniere gesammelt werden, aufzubauen. Ziel ist es, die Frauen, die 2022 dabei sein und gute Leistungen erbringen, auch für weitere Turniere einzusetzen. Ganz nach der Vision des FIFA-Präsidenten, die für einen offeneren und inklusiveren Fussball sorgen will. Die FIFA investiert massiv in den Frauenfussball und arbeitet daran tragfähige Wettbewerbsstrukturen für die weitere Professionalisierung des Sports schaffen. "Vielfalt ist immer wichtig - nicht nur im Fussball. Der Frauenfussball ist auf dem Vormarsch, das Niveau des Fussballs in Frankreich 2019 war erstaunlich. Jetzt, wo wir sehen, dass wir im Spiel selbst große Fortschritte machen, warum sollten wir uns nicht auch als Organisatoren engagieren? Das sollten wir, und genau das tut die FIFA auch", bringt es Kassem, die aus Ägypten stammt, abschließen auf den Punkt.

Ein wahrlich globaler Workshop.