Fara Williams: Ich hatte große Probleme mit meiner mentalen Gesundheit

16. Aug. 2021
  • Englands Rekord-Nationalspielerin beendete ihre Karriere nach einer Nierenerkrankung 

  • Die Behandlung des nephrotischen Syndroms beeinträchtigte ihre körperliche und mentale Gesundheit 

  • "Ich musste reden, ich wollte reden, aber ich brauchte jemanden, der das für mich in die Wege leitete."

Mit 172 Einsätzen ist Fara Williams Englands Rekord-Nationalspielerin. Bis vor kurzem hatte sie noch große Hoffnungen und Ziele für ihre Zukunft. Die überaus talentierte Mittelfeldspielerin des FC Reading hatte sich längst als eine der führenden Spielerinnen im Frauenfussball etabliert und hatte das Gefühl, dass sie noch viel mehr zu geben hatte. 

Nach einer Operation wegen eines Oberschenkelproblems im März des vergangenen Jahres wurde bei der 37-Jährigen jedoch ein Nierenleiden - das nephrotische Syndrom - diagnostiziert, nachdem sie in der Endphase ihrer Rehabilitation Schwellungen an Händen, Beinen und im Gesicht festgestellt hatte. Die Auswirkungen der Behandlung auf ihre körperliche und mentale Gesundheit zwangen sie schließlich zum Rückzug. 

"Aus der Niere trat Eiweiß in meinen Körper aus. Diese Erkrankung spielte eine wichtige Rolle bei meiner Entscheidung, mich zurückzuziehen", so Williams gegenüber FIFA.com. "Ich bekam Steroide in hoher Dosierung und habe dadurch acht oder neun Kilo an Gewicht zugenommen. Das Training fiel mir sehr schwer, weil ich so aussah, und das Spielen war zehnmal schlimmer. Kurz vor Weihnachten, sechs Monate nach Beginn der Krankheit, war ich an einem Punkt, an dem ich fast zusammengebrochen wäre. Ich musste akzeptieren, dass ich krank war und große mentale Probleme hatte. Es hat eine Weile gedauert, bis ich so weit war und im Nachhinein wünschte ich, ich hätte diese Wahrheit früher akzeptiert."

Williams sind Widrigkeiten keineswegs fremd - sie war mehr als sechs Jahre lang obdachlos und entfremdete sich im Alter von 17 Jahren von ihrer Familie im Londoner Stadtteil Battersea, wobei ihr der Fussball als Ausweg diente.

Sie entwickelte sich zu einer dynamischen und treffsicheren Torjägerin. Sie war Englands beste Torschützin bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 und erzielte beim historischen Sieg Englands über Deutschland bei der FIFA Frauen-WM 2015 ein Tor, mit dem die Löwinnen den dritten Platz belegten und damit ihr bestes Abschneiden aller Zeiten feierten.

Jetzt blickt sie auf eine Karriere voller Erfolge zurück und denkt an die Opfer, die sie gebracht hat. "Ich habe darüber gesprochen, dass es mir in der Anfangsphase wirklich geholfen hat, mich weiterzuentwickeln, indem ich Widerstandskraft und mentale Stärke gezeigt habe", erklärt Williams, "und so war es auch in der Anfangsphase der Krankheit, als ich sie nicht akzeptieren konnte und ich in diesen Momenten Verletzlichkeit zeigen musste.

Mit Menschen zu reden und offen über Dinge zu sprechen, anstatt alles in mich hineinzufressen, hat mir geholfen, mit der Krankheit besser umzugehen. 

Es fällt allerdings schwer, zu akzeptieren, dass man jemanden braucht, mit dem man reden kann. Ich denke, mein Verhalten als ich krank war, war ein Hilferuf. Ich musste reden, ich wollte reden, aber ich brauchte jemanden, der das für mich in die Wege leitete."

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